Desaster für Spanien: „La Roja“ ein Schatten ihrer selbst
Der Schock beim spanischen Team und den Fans sitzt tief: Schon nach zwei Spielen ist für den Weltmeister die Mission Titelverteidigung gelaufen.
Rio de Janeiro – Nur wenige Stunden nach König Juan Carlos hat auch Spaniens Fußball-Nationalmannschaft abgedankt. Die Auswahl von Vicente del Bosque verlor am Mittwoch im Maracana von Rio de Janeiro gegen Chile 0:2, kassierte damit nach dem 1:5 gegen die Niederlande die nächste Niederlage und ist schon vor dem letzten WM-Gruppenspiel gegen Australien ohne Chance auf eine Achtelfinal-Teilnahme.
Zum insgesamt fünften Mal - davor hatte es Italien (1950, 2010), Brasilien (1966) und Frankreich (2002) erwischt - musste sich der Titelverteidiger in der darauffolgenden WM-Gruppenphase verabschieden. Es war Spaniens erstes WM-Vorrunden-Aus seit 1998 und gleichzeitig das Ende einer Epoche.
„La Roja“ hat ihren Schrecken verloren
Ab 2008 hatten die Iberer den Nationalteam-Fußball wie seit Jahrzehnten kein Team dominiert. Die Triumphe bei den Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie bei der Weltmeisterschaft 2010 markierten die Erfolgs-Ära des „Tiki-Taka“, Spaniens Auswahl galt in dieser Zeit als praktisch unantastbar.
Damit ist jetzt Schluss. „La Roja“ hat ihren Schrecken verloren und steht vor einem Umbau. Xavi (34 Jahre) wurde gegen Chile gar nicht mehr eingesetzt, Xabi Alonso (32) leistete sich einen Totalausfall und Goalie Iker Casillas (33) patzte wie schon gegen die Niederlande. Dieses Trio wird dem Nationalteam nach der WM wohl Adieu sagen - David Villa (32) hatte seinen Rücktritt schon vor der WM bekanntgegeben.
„Trauriger Tag für uns und die Fans“
An Personal-Spekulationen wollte sich Del Bosque kurz nach der schmerzhaften Niederlage aber nicht beteiligen. „Wir müssen uns Zeit nehmen, um über alles genau nachzudenken. Jetzt über Konsequenzen zu reden, wäre nicht fair“, sagte Del Bosque und sprach von einem „traurigen Tag für uns und unsere Fans“.
Der Ex-Trainer von Real Madrid übernahm „La Roja“ nach dem EM-Triumph 2008 und führte sie in der Folge zum WM- und EM-Titel. Erst im vergangenen November wurde sein Vertrag bis 2016 verlängert. Ob Del Bosque diesen Kontrakt erfüllen wird, ist allerdings fraglich. „Wir müssen uns überlegen, was am besten für den spanischen Fußball ist. Da geht es auch um meine Person“, sagte der 63-Jährige.
Keine Vorwürfe an Spieler
Del Bosque wirkte auf der Pressekonferenz schwer gezeichnet vom desaströsen Abschneiden der Spanier, das ihn nach eigenen Angaben völlig unerwartet traf. „Ich hätte niemals gedacht, dass wir so früh ausscheiden. Nichts hat darauf hingedeutet, alle waren fit und hatten eine Top-Einstellung“, beteuerte der Nationaltrainer.
Seinen Kickern machte Del Bosque keine Vorwürfe. „Wir waren zwar in der ersten Hälfte zu zurückhaltend, dann aber in der zweiten Hälfte besser, hatten auch Chancen, doch es hat nicht gereicht. Die Spieler haben bis zum Schluss gekämpft und alles gegeben, um die Partie noch umzudrehen.“ Das WM-Resümee des Trainers lautete: „Wir müssen keine Ausreden suchen. Wir waren gegen die Niederlande und Chile die schlechtere Mannschaft, deswegen sind wir ausgeschieden.“
Trost vom chilenischen Coach
Die spanischen Teamspieler zeigten sich nach dem K.o. im Maracana mindestens genauso zerknirscht wie ihr Coach. „Es ist schwer zu erklären, was passiert ist. Wir möchten uns bei den Menschen entschuldigen. Es hat nicht sollen sein, wir sind dafür verantwortlich. Uns tut es am meisten weh, wir sind sehr unglücklich“, stammelte Kapitän Casillas.
Alonso erlebte gegen Chile nach eigenen Angaben die schlimmste Niederlage seiner Karriere. „Das Gefühl wie bei den anderen Turnieren war diesmal nicht da, irgendwie haben wir unseren Lauf verloren. Früher wussten wir, wie wir Spiel kontrollieren konnten, dieses Mal waren wir einfach nirgends“, kritisierte der Baske.
Fernando Torres hingegen richtete den Blick schon nach vorne. „Man kann nicht die ganze Zeit alles gewinnen. Es kommt eine gute Generation nach, und wir werden wieder Großartiges erreichen“, versprach der Stürmer.
Trost für die Verlierer gab es vom chilenischen Teamchef Jorge Sampaoli. „Sie haben jahrelang wundervolle Leistungen gebracht, doch jetzt ist diese Generation nicht mehr dazu in der Lage. Das ist normal im Fußball, der Erfolg kommt und geht“, erklärte der Argentinier.
Pressestimmen
SPANIEN
„Marca“: „The end: Die ruhmreichste Zeit in der Geschichte der „La Roja“ nimmt ein klägliches Ende. (...) Zerschmettert! - vom Himmel in die Hölle. Es war schön, aber im Leben ist alles irgendwann einmal vorbei. (...) Adiós goldene Jahre“ - Danke für sechs tolle Jahre! Aber was nun? (...) Der Verband will unter allen Umständen an Vicente del Bosque festhalten. Wenn es jedoch nicht gelingt, den Trainer zum Weitermachen zu überreden, ergibt sich eine Notlage, auf die man nicht vorbereitet ist.“
„El Mundo“: „Das Imperium, das sechs Jahre lang den Weltfußball dominiert hat, zerfällt nun ebenso wie die großen Reiche in der Geschichte untergegangen sind. Das Maracaná-Stadion wird zu einem Friedhof der Könige.“
„ABC“: „Das Maracaná-Stadion hat einen weiteren Grabstein. Hier ruht das weltmeisterliche Spanien, das nach Brasilien kam, dort aber nicht Fußball spielte.“
„As“: „Es war schön, so lange es dauerte. Aber nun ist es zu Ende.“
„As“-Chefredakteur Alfredo Relaño, einer der renommiertesten Sportkommentatoren: „Das Ende ist hart: nur ein Tor in zwei Spielen, und das auch nur per Elfmeter, ausgeschieden nach nur zwei Partien. Das letzte Spiel gegen Australien ist nun wie eine Strafaktion. Wir verabschieden uns von einer großen Fußballer-Generation. Spaniens Fußball befindet sich unter einer schwarzen Wolke. Aber die Tage, Monate und Jahre werden vergehen, und es werden wieder glorreiche Zeiten kommen. Bittet nicht um Verzeihung. Wir sind Euch vieles schuldig.“
„El Mundo Deportivo“: Spanien verabschiedet sich durch die Hintertür.“
„Sport“: „Spanien erlebt ein historisches K.o.“
„El País“: „Spanien war die Titanic. Die beste spanische Nationalmannschaft der Geschichte scheidet bei der WM aus und beendet eine unwiederholbare Etappe. Wenn die Erschütterung vorbei ist, muss ‚La Roja‘ gut und präzise analysiert werden.“
ITALIEN:
„Corriere dello Sport“: „Sensationell: Spanien draußen, Chile feiert mit Vargas. Das ist das Ende eines Zyklus, das Ende von Tiki-Taka.“
„Gazzetta dello Sport“: „Spanien - das Ende einer einzigartigen Epoche. Eine Sensation. Erstmals ist ein Weltmeister nach nur zwei WM-Spielen draußen.“
„Corriere della Sera“: „Der Fall der Götter, schon sind die Weltmeister eliminiert. Der König ist tot, es lebe der König: Chile zieht zusammen mit den Niederlanden ins Achtelfinale ein.“
„La Repubblica“: „Und schon das Ende der Fahnenstange. Der Weltmeister blass und nicht wiederzuerkennen. Chile schickt die Statisten des großen Spanien nach Hause.“
„La Stampa“: „Adiós. Spanien ein weiteres Mal K.o.. Die Weltmeister müssen abreisen, denn Chile beendet die Ära des unschlagbaren spanischen Tiki-Taka.“
GROSSBRITANNIEN:
„Sun“: „Chile zu heiß für die Weltmeister“
„Daily Mirror“: „Wenn die mächstigsten Fallen, scheint die ganze Erde zu beben. Und nach sech Jahren Dominanz hat Spanien die schlechteste Verteidigung der WM-Geschichte hervorgebracht.“
„Times“: „Den Stars der Spanier droht nach dem Ausscheiden die Axt“
„Independent“: „Die Welt der Spanier zerbricht, weil Vargas und Aránguiz Tiki-Taka zerfetzen“
FRANKREICH:
„L‘Équipe“: „Die Krone liegt am Boden. Für den Weltmeister, der seit 2008 den internationalen Fußball dominierte, ist dies das Ende einer Ära.“
„Le Parisien“: „Das Ende der spanischen Herrschaft. Der König ist tot. Was für ein Donnerschlag.“
NIEDERLANDE:
„De Telegraaf“: „Chile isst Spanien auf. (...) Weltmeister werden ist eine Leistung, aber Weltmeister bleiben ist eine Kunst.“
„Volkskrant“: „Ein angeschlagener Boxer war Spanien bereits nach der Schlappe gegen die Niederlande. Am Mittwoch folgte gegen Chile das Knockout. Jetzt bekommt die Welt einen neuen Meister. Die Hierarchie wird neu formiert.“
ÖSTERREICH:
„Kronen Zeitung“: „An einem Tag alle Könige weg“, „Der Weltmeister der Peinlichkeit - Das ist die größte Blamage der Geschichte“
„Österreich“: „Der Titelverteidiger muss nach Hause fahren - das ist das Ende einer großen Fußball-Ära.“
SCHWEIZ:
„Blick“: „O weh statt olé!“, „Tiki-Taka am Ende!“
„Basler Zeitung“: „Tiki-Taka tuckert nach Hause“
„Tages-Anzeiger“: „Spaniens schwere Schmach“
„Neue Zürcher Zeitung“: „Das Ende einer Ära“
GRIECHENLAND:
„Goal“: „(S)pain- Chile hat Spanien frühzeitig nach hause geschickt“
„To Fos“: „Spanien mit 7:1 Toren raus!“
„Kathimerini“: „Hartes Ende der Vorstellung. Nach sechs Jahren absoluter Herrschaft muss Spanien schon nach der Gruppenphase nach Hause gehen“.
TSCHECHIEN:
„Blesk“: „Eine berühmte Generation ist am Ende. Der Tiki-Taka-Stil ist aber noch nicht tot.“
„Pravo“: „Spanien weint. Der amtierende Weltmeister hat das zweite Gruppenspiel verloren und ist raus. Damit hat Spanien für die erste Riesenüberraschung des Turniers in Brasilien gesorgt.“
„Lidove Noviny“: „Das ist das Ende der Übermacht: Spanien verliert gegen Chile und kann den Titel nicht verteidigen.“
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