Utopie und Parabel: Franzobels „Metropolis“-Fassung in Melk
Melk (APA) - Als „soziale, gesellschaftskritische Parabel auf der Suche nach Gerechtigkeit“ und als „Utopie für ein harmonisches Zusammenleb...
Melk (APA) - Als „soziale, gesellschaftskritische Parabel auf der Suche nach Gerechtigkeit“ und als „Utopie für ein harmonisches Zusammenleben“ will Intendant Alexander Hauer seine Inszenierung der von Franzobel erstellten Bühnenfassung des Fritz-Lang-Stummfilms „Metropolis“ bei den Sommerspielen Melk verstanden wissen. Die Premiere am Mittwochabend ist vom Publikum freundlich aufgenommen worden.
Handelt es sich nun um eine zwei- oder gar dreigeteilte Welt? Umgeben von Schaufensterpuppen und unter der übermächtigen Stiftskulisse scheint der elitäre „Klub der Söhne“ vergleichsweise unprofilierter als die Unterstadt der Arbeiter, die an mit neonfarbenen Streifen versehenen Overallkostümen erkennbar sind. Sprachlich ergibt das bei Franzobel zwei unterschiedliche Idiome. Wenn Györgi, der Arbeiter 11811 (Kajetan Dick), sein „bist du deppert“ anstimmt, wähnt man sich an Wolf Haas und seine Brenner-Figur erinnert („das glaubst du nicht“).
Manche Anspielung weist der Text auf, etwa in der Bemerkung vom jugendlichen Kopf-Gaga, das komme und vergehe (wir verstehen: „Radio Gaga“ von Queen), oder wenn Fredersen (Andreas Patton) den Slogan „Geht es Metropolis gut, geht es allen gut“ anbringt. Rotwang (Christian Preuss) wiederum, ehemals ein „abgewiesener Kunststudent“, zitiert das kommunistische Manifest („Ein Gespenst geht um hier in Metropolis“) - ein nettes Ratespiel mit Versatzstücken aus dem Zitatenkästchen.
Inwieweit die Romanvorlage der Drehbuchautorin Thea von Harbou für die Melker Version von Bedeutung war, wird nicht nachvollziehbar. Ersichtlich ist hingegen ein Mix aus barocker Allegorik, moralistischer Überdeutlichkeit, einer Prise Brecht, einer Prise Orff. Die Bühnenmusik von Thomas Gansch realisiert Andreas Plank am Klavier: Kristalline Klänge von ostinater Eindringlichkeit, die gelegentlich zu chorartigen Rezitativen im rhythmisierten Parlando finden.
Julian Loidl als Freder und Ivana Rauchmann als Maria sind ein kompatibles Paar, Markus Kofler als Schmaler lässt Gestapomentalität spüren. „Rennen wir keinem Führer hinterher. Gebrauchen wir unseren Geist. Nützen wir die Zeit“ - mit diesen appellhaft frommen Wünschen für ein friedliches Miteinander endet das Stück. Wie wäre dem nicht ganz und gar zuzustimmen?
(S E R V I C E - Sommerspiele Melk: Metropolis. Nach dem Stummfilm von Fritz Lang, Bühnenfassung von Franzobel. Regie: Alexander Hauer. Mit Andreas Patton, Julian Loidl, Christian Preuss, Ivana Rauchmann, Dagmar Bernhard, Markus Kofler, Sebastian Pass u.a., Vorstellungen bis 2. August 2014, Einführungsgespräche jeweils um 19.45 Uhr, Tickets und Information: Tel. 02752/54060, www.sommerspielemelk.at)
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