Aufschwung humpelt in Tirol
Tourismus schwächelt, Investitionen fehlen: Tirol soll heuer nur um 1,5 % wachsen, schätzt die Bank Austria.
Von Beate Troger
Innsbruck –Der Wirtschaftsaufschwung kommt auch in Tirol nicht so recht in Gang. Erst Anfang der Woche hatte die Bank Austria ihre Konjunkturprognose für Österreich von einem Plus von zwei Prozent auf 1,5 Prozent nach unten revidiert. Auch in Tirol werde die Wirtschaft nicht wie zuletzt angekündigt um 1,9 Prozent wachsen können. „Ich gehe davon aus, dass sich die Konjunktur in Tirol in etwa im Österreich-Durchschnitt bewegt“, sagte Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer im TT-Gespräch.
Leichte Risiken gebe es in Tirol auch durch den Tourismus, der unter dem schneearmen Winter gelitten habe und auch im Sommer mit harter internationaler Konkurrenz zu kämpfen habe. Im ersten Quartal habe sich auch gezeigt, dass Italien zwar die Trendwende gelungen sei, sich die Wirtschaft aber wesentlich langsamer entwickelt habe als erwartet. „Außerdem leidet auch Tirol unter der allgemeinen Investitionsschwäche“, erklärt Bruckbauer. Europaweit liege derzeit das Investitionsvolumen rund 15 Prozent unter dem Niveau vor der Krise im Jahr 2008. „Dadurch kommen auch kleine Gewerbebetriebe in Bewegung, weil Aufträge von großen Unternehmen ausbleiben“, meint er. Der Zinsschritt der Europäischen Zentralbank sei zwar zur Bekämpfung der Deflationsangst richtig gewesen. Sparer treffe es nur marginal, „doch die Zinssenkung bringt keinen Unternehmer dazu, mehr zu investieren“, sagt der Ökonom. Die Kreditversorgung in Österreich sei bereits die beste in der Eurozone, weiß er. Nun sei aber die Politik am Zug, einerseits müsse auf nationaler Ebene mehr Wirtschaftsfreundlichkeit signalisiert werden, andererseits könnte die EU mit Infrastrukturprogrammen die Konjunktur stärker ankurbeln.
Der Schuldenschnitt im Hypo-Alpe-Adria-Sondergesetz sorge für einen „Vertrauensverlust“ am Finanzmarkt, im Zuge dessen werde vor allem auf Landesbanken mit hohen Landeshaftungen der Druck steigen. Das Land Tirol mit einem Budget von 2,8 Mrd. Euro hat für die Hypo Tirol Haftungen in Höhe von 8 Mrd. Euro übernommen. „Denn jetzt ist klar, wenn in Kärnten das Bundesland nicht einspringt, werden auch andere Bundesländer im Krisenfall nicht für ihre Landesbanken zahlen“, ist Bruckbauer überzeugt. Die nachrangigen Anleihen der Hypo Alpe Adria mit Landeshaftung seien „fast Staatsanleihen“ gewesen, sagt der Analyst, „denn ohne Landeshaftung hätten Anleger diese Papiere nie gekauft bzw. auch nicht kaufen dürfen“.
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