Schweizer Notenbank bleibt nach EZB-Zinssenkung bei Nullzinspolitik

Bern (APA/Reuters) - Die Schweizer Notenbank hält auch nach der erneuten Zinssenkung in der Eurozone an ihrem bald drei Jahre geltenden geld...

Bern (APA/Reuters) - Die Schweizer Notenbank hält auch nach der erneuten Zinssenkung in der Eurozone an ihrem bald drei Jahre geltenden geldpolitischen Kurs fest. Sollte die Schweizer Währung unter Aufwertungsdruck kommen, würde sie reagieren. „Wir beobachten die Auswirkungen der jüngsten Zinssenkungen in der Eurozone auf die Schweiz sehr genau“, erklärte Notenbankchef Thomas Jordan am Donnerstag in Bern.

Negativzinsen auch in der Schweiz schloss er nicht aus, um eine deflationäre Entwicklung zu verhindern. „Das ist ein mögliches Instrument.“

Der Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken werde für absehbare Zeit in Kraft bleiben. „Es ist nicht die Zeit für einen Exit aus dieser Geldpolitik. Der Franken ist nach wie vor hoch bewertet“, sagte der SNB-Chef. Die Wirtschaft sei nicht voll ausgelastet, und die Teuerung bleibe tief. „Das Risiko negativer Inflationsraten ist deutlich größer als dass wir die Preisstabilität nicht aufrechterhalten können.“ Die Nationalbank werde die Kursuntergrenze weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen. Intervenieren, um die Kursgrenze zu verteidigen, musste die Notenbank seit September 2012 nicht mehr. Der Euro reagierte kaum auf die SNB-Beschlüsse; für die Gemeinschaftswährung wurden zuletzt Kurse um 1,2170 Franken bezahlt. Das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor lässt die SNB bei null bis 0,25 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vor zwei Wochen ihren Leitzins auf rekordniedrige 0,15 Prozent gekappt, damit die Euro-Länder nicht in eine ruinöse Spirale sinkender Preise, fallenden Konsums und rückläufiger Investitionen rutschen. Um die Kreditklemme in vielen Krisenländern im Süden der Währungsunion aufzubrechen, erhebt die EZB künftig zudem einen Strafzins von 0,10 Prozent von Banken, die Geld lieber bei ihr parken, als es an Firmen und Haushalte weiterzugeben.

Die Währungshüter bekräftigen ihre Wachstumsprognose für die Schweiz und veranschlagen dieses Jahr wie schon im März einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund zwei Prozent. Gleichzeitig warnten sie vor erheblichen Risiken. Die globale Erholung bleibe zögerlich, und die Weltwirtschaft könnte sich schwächer entwickeln als angenommen. Das würde unweigerlich auch die Schweiz treffen. „Die Eurozone steht nach wie vor bedeutenden Herausforderungen gegenüber“, sagte der SNB-Chef. Inflationsrisiken ortet die Notenbank auf absehbare Zeit nicht. Dieses Jahr dürfte die Teuerung in der Schweiz bei 0,1 Prozent liegen. Auch in den beiden kommenden Jahr dürften die Inflationsraten mit 0,3 und 0,9 Prozent deutlich unter der als Obergrenze definierten Marke von zwei Prozent bleiben.

Weiterhin mit Sorge betrachten Jordan und seine beiden SNB-Direktoriumsmitglieder den Immobilienmarkt. Wegen der rekordtiefen Zinsen drohe weiterhin eine Überhitzung, warnten sie. Zwar habe sich die Dynamik am Hypothekar- und Immobilienmarkt auch dank strengerer Kapitalerfordernisse leicht abgeschwächt. Doch Anzeichen für eine nachhaltige Beruhigung gebe es nicht. „Die Lage erfordert eine vorsichtige Kreditvergabepolitik, um einerseits das zukünftige Verlustpotenzial der Banken zu begrenzen und andererseits zu helfen, einen weiteren Aufbau von Ungleichgewichten zu verhindern“, sagte Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine.

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA248 2014-06-19/13:41