Fußball-WM: Argentiniens Coach Sabella als Anti-Maradona

Belo Horizonte (APA/dpa) - Trainer-Darsteller Maradona war 2010. 2014 hat Alejandro Sabella bei den Argentiniern das Sagen. Der 59-Jährige, ...

Belo Horizonte (APA/dpa) - Trainer-Darsteller Maradona war 2010. 2014 hat Alejandro Sabella bei den Argentiniern das Sagen. Der 59-Jährige, für den es erst eine zweite Station als Chefcoach ist, gilt als charakterlicher Gegenentwurf zu seinem Vor-Vorgänger und lässt seinen Spielern den Vortritt. „Einen statt spalten“, so das Motto Sabellas.

Seine erste Amtshandlung war so naheliegend wie wegweisend. Als Alejandro Esteban Sabella im Sommer 2011 die argentinische Nationalmannschaft übernahm, führte er ein Gespräch mit Lionel Messi. Der neue Coach reiste nach Barcelona. Mit am Tisch saß Javier Mascherano. Sabella redete mit dem alten und dem zukünftigen Kapitän der „Albiceleste“. Für ihn war klar, dass die Mannschaft für die WM-Mission in drei Jahren um Messi aufgebaut werden sollte. „Wir suchen eine Spielweise, bei der sich Messi wohlfühlt“, sagte Sabella vor seinem ersten Länderspiel als Coach des zweimaligen Weltmeisters.

Aber wer und wie ist dieser Sabella? Dieser Trainer, der wie 1978 Cesar Luis Menotti bei der Heim-WM oder wie 1986 Carlos Bilardo in Mexiko die Argentinier 2014 in Brasilien zum WM-Titel führen soll. „Aufrichtig wie immer, trifft er die relevanten Entscheidungen, die von ihm in dieser Position erwartet werden. Und weil er so ist, wie er ist, kommt er auch bei den Spielern durch“, sagte Bilardo, mittlerweile Direktor aller Auswahlmannschaften des argentinischen Verbandes, über Sabella.

Sabella sei bei den Spielern „für seine offene Art und seine Zugänglichkeit beliebt“, heißt es in einem Porträt des Weltverbandes FIFA über den 59-jährigen Coach. „Wir wissen, dass der Trainerstab sehr offen für alle Meinungen ist“, betonte Abwehrspieler Jose Basanta jüngst angesichts der Diskussion um den möglichen Einfluss der Mannschaft oder einzelner Akteure auf die Taktik-Umstellung beim 2:1 im Auftaktmatch gegen Bosnien-Herzegowina. Basante vollendete den Satz allerdings auch mit der deutlichen Feststellung: „Die Entscheidung trifft er.“

Und dabei schreckt auch Sabella vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück. Carlos Tevez bekam das zu spüren. Der in Argentinien als Junge des Volkes verehrte Profi von Juventus Turin spielt in diesen Tagen nicht wie Messi oder Mascherano seine dritte WM nach 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika.

Für Tevez war es keine glückliche Wendung, dass sich Sabella 2011 nicht für einen Job in den reichen Vereinigten Arabischen Emiraten entschied, sondern für das Amt, das zuvor Sergio Batista und davor Diego Maradona erfolglos ausgeübt hatten. Sabella, einst selbst Nationalspieler hatte sich vor allem durch den Gewinn der argentinischen Meisterschaft und der Copa Libertadores 2009 mit Estudiantes de La Plata in die Gedächtnisse gerufen. Zudem kannte man ihn bereits bestens als Assistent von Daniel Passarella bei der WM 1998. Er machte sich auch danach noch einige Jahre als Co-Trainer Pasarellas verdient, ehe er gleich mit einer ruhmreichen Saison in seine Laufbahn als Chefcoach startete.

Als aktiver Fußballer galt er schon als einer, der mit seinem starken linken Fuß seine Mitspieler in Szene setzte. Heute, als Trainer, ist Sabella der, der seinen Spielern den Vortritt lässt. Er giert und kokettiert nicht nach und mit medialer Öffentlichkeit und Präsenz wie ein Maradona vor vier Jahren. Auf die Frage, wie er einmal in den Geschichtsbüchern des argentinischen Fußballs in Erinnerung bleiben würde, sagte Sabella, als „ein Mensch, der immer eher darauf bedacht war, zu einen als zu spalten“. Deswegen setzte er sich auch damals schon mit seinen beiden wichtigsten Spielern an einen Tisch.