Formel 1: Mercedes-Wolff hofft in Österreich auf Rückkehr zum Sieg
Spielberg/Turnau (APA) - Beim Steirereck auf dem Pogusch und damit direkt über dem Heimatort von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat sich ...
Spielberg/Turnau (APA) - Beim Steirereck auf dem Pogusch und damit direkt über dem Heimatort von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat sich Toto Wolff am Donnerstag auf den Formel-1-Grand Prix von Österreich eingestimmt. Als „Platzanspruch“ gegenüber dem sportlichen Hauptrivalen wollte der Wiener Mercedes-Sportchef das aber nicht verstanden wissen. „Es ist ein schöner Platz, das Essen ist hervorragend“, betonte Wolff.
Die Konkurrenz zwischen dem vierfachen Weltmeisterteam Red Bull Racing und dem Mercedes-Truppe, die seit 2014 mit sechs Siegen in bisher sieben Rennen die Szene beherrscht, ist eines der starken Themen in der Formel 1. Der Überraschungssieg von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo nach technischen Problemen der beiden Mercedes-Piloten zuletzt in Montreal hat dem einseitigen Wettkampf frische Würze verliehen.
Auf einer anderen Ebene spielt sich das offensichtlich bescheidene Verhältnis zwischen Wolff und Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko ab. Gespräche zwischen den beiden österreichischen Entscheidungsträgern in der Motorsport-Königsklasse finden praktisch nicht statt.
„Er ist nicht mein Ansprechpartner. Nikis Relationship ist absolut ausreichend“, verwies Wolff auf Mercedes-Aufsichtsratsvorstand Lauda. Er begründete die Distanz zudem mit unterschiedlichen beruflichen Kompetenzebenen sowie den unterschiedlichen Charakteren der Akteure.
Zu Red Bulls Teamchef Christian Horner habe er hingegen jeden Tag Kontakt. „Erst gestern bei der F1-Kommission habe ich zu hundert Prozent gleich gevotet wie er“, sagte Wolff, der zusammen mit der von Geschäftsführerin Corinna Widenmeyer („Bei unseren Händlern ist dank Formel 1 fast jeder Montag Feiertag“) angeführten Spitze von Mercedes-Benz Österreich ins steirische Hauben-Gasthaus gekommen war.
Vermeintliche Feindseligkeiten in der Formel 1 bezeichnete Wolff prinzipiell als „kindisch“. „Das ist eine super Geschichte für die Medien, das gehört zum Entertainment. Die Wahrheit ist, es gibt keine Berührungspunkte zwischen uns beiden“, bezog er sich noch einmal auf Marko.
Mercedes verfolge auch die Vorwürfe, Red Bull habe am Saisonbeginn womöglich einen illegalen Test in Graz absolviert, nicht aktiv. „Wir sind darauf mit einem anonymen Brief aufmerksam gemacht worden. Ich halte aber nichts vom Vernadern, das ist stillos. Die FIA ist der Regelhüter und der muss schauen, ob alles rechtens ist“, winkte Wolff ab. Er persönlich sehe auch nichts Illegales. „Weil es unseres Wissens kein Aero-Test war.“
Dass Mercedes aus einem „versprochenen“ Hotel wieder hinausgeworfen worden sei, blieb trotz der Red-Bull-Dementi freilich so stehen. „Wir hatten vor langem Zimmer in Knittelfeld für 50 Mann gebucht und eine Zusage. Zwei Wochen später bekamen wir eine E-Mail, dass die Zimmer nicht mehr zur Verfügung stehen, weil sie für das Red Bull Team gebraucht werden“, bekräftigte Wolff. Mit Gabelhofen, wie Red Bull behauptet hatte, habe das nichts zu tun, so Wolff.
Die interne Rivalität zwischen seinen beiden Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton habe sich inzwischen eingependelt, versicherte der 42-jährige Österreicher. „Die Hitzköpfe sind an einem guten Platz.“
Der spätestens in Monaco offensichtlich gewordene Konflikt zwischen dem in der WM führenden Deutschen und dem Briten hat sich laut Wolff zu einem Kampf ausschließlich im Auto gewandelt. „Lewis hat gesehen, dass ein trauriges Gesicht zu zeigen, seinem Image nichts bringt. Wir spüren von einem Konflikt nichts“, betonte Wolff.
Die freundliche Schunkelei zwischen den beiden zuletzt in Kanada sei freilich so etwas wie Überkompensation gewesen, erinnerte Wolff an den dort gezeigten „Schmusekurs“. „Das wird wieder auf ein normales Level zurückkehren und auch die Medien werden das erkennen.“
Defekte wie die überhitzte Elektronik-Steuerstelle in Kanada werden nicht mehr auftreten, ist Wolff überzeugt, dass man in Österreich wieder das volle Potenzial abrufen können werde, warnte aber auch. „Es wird aber immer wieder Problemstellen geben die man erst erkennt, wenn es zum Problem wird.“
Drei Dinge habe man bei Mercedes aus dem in Kanada passierten Defekt gelernt: „Wir halten uns an die selbst gestellten Limits, vor allem wenn wir gegeneinander fahren. Zweitens kommunizieren wir schneller. Bis zum Entscheidungsträger, der zurückdrehen hätte können, hat es zu lange gedauert, wir haben zu viel diskutiert. Und drittens wurde die Fehlerquelle saniert.“
Der Österreicher ist deshalb guter Hoffnung, in Spielberg auf dem Red Bull Ring wieder auf die Siegerstraße zurück zu kehren. „Die Strecke ist ausgewogen. Sie hat vor allem einen echt steilen Powerteil, wo sicher unsere Mercedes-Power einen Vorteil geben wird.“ Sollten diesmal technische Problem ausbleiben, „haben wir sicher sehr gute Karten“.
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