Schlechte Rechnungslegung bei insolventer Windparkfirma Prokon

Düsseldorf (APA/AFP) - Das insolvente deutsche Windparkunternehmen Prokon hat einem Bericht zufolge eine unzulängliche Rechnungslegung betri...

Düsseldorf (APA/AFP) - Das insolvente deutsche Windparkunternehmen Prokon hat einem Bericht zufolge eine unzulängliche Rechnungslegung betrieben. Ein wirksames Controlling oder eine Übersicht über die erwarteten Einnahmen- und Ausgabeströme habe es nicht gegeben, berichtete das „Handelsblatt“ (Freitagsausgabe) unter Berufung auf das gerichtliche Insolvenzgutachten.

Erhebliche Teile der Kunden- und Anlegerakten hätten sich im Rahmen einer Umstellung auf die elektronische Erfassung offen und unsortiert in Kisten befunden. Zudem sei das Datensystem nicht zertifiziert gewesen.

Dem Bericht zufolge gab es bei Prokon zudem fragwürdige Ausgaben. Es seien unbesicherte Kredite in Höhe von mehreren Millionen Euro an eine Ölmühle und an einen Holzverarbeiter geflossen, berichtete das „Handelsblatt“ weiter aus dem Insolvenzgutachten. Als Firmenflugzeug sei eine Turboprop-Cessna im Wert von 1 Mio. Euro gewählt worden, die aber für längere Geschäftsflüge kaum geeignet gewesen sei. Prokon-Gründer Carsten Rodbertus habe den Flieger vor allem für sein Hobby Fallschirmspringen benutzt.

Prokon war im Jänner in die Insolvenz gerutscht. Die Firma hatte sich durch den Verkauf sogenannter Genussrechte im Wert von 1,4 Mrd. Euro an rund 75.000 Anleger finanziert. Es hatte mit einer Verzinsung von sechs Prozent geworben und zeitweise bis zu acht Prozent ausgezahlt. Zuletzt konnte es aber keine Zinsen mehr zahlen und die Genussrechteinhaber auch nicht auszahlen. Nun müssen viele Prokon-Anleger um einen beträchtlichen Teil ihres Geldes fürchten. Der Fall hatte eine Debatte um den grauen Kapitalmarkt angestoßen und Rufe nach einer strengeren Regulierung laut werden lassen.