Erdogan-Besuch - Buntes Farbenmeer gegen Erdogan
Wien (APA) - „Erdogan get out of Vienna“. Ein großes Plakat mit dieser Aufschrift wurde an der Spitze der Gegendemonstration zur Veranstaltu...
Wien (APA) - „Erdogan get out of Vienna“. Ein großes Plakat mit dieser Aufschrift wurde an der Spitze der Gegendemonstration zur Veranstaltung des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan getragen. Dahinter wehte ein buntes Fahnenmeer von türkischen, kurdischen, alevitischen und kommunistischen Vereinen. Vereinzelt fanden sich auch Österreich-, Regenbogen- und Türkei-Landesflaggen darunter.
Bis zu 40 türkische und österreichische Vereine mobilisierten für den Protestmarsch gegen den Auftritt Erdogans in der Albert-Schultz-Halle. Laut Polizeiangaben nahmen insgesamt rund 6.000 Menschen an der Gegenveranstaltung teil. Kurz bevor die Menge ihr Ziel gegen 17.00 Uhr erreichte, skandiere sie „Tayyip, du Mörder“ und „Erdogan Faschist“.
Ein Redner kritisierte den antidemokratischen Regierungsstil Erdogans in der Türkei. Katja, eine österreichische Armenierin mit irakischen Wurzeln, sagte, sie sei aus Solidarität mit den in der Türkei unterdrückten Minderheiten zur Protestveranstaltung gekommen. „Zum Beispiel dürfen Armenier in der Türkei keinen armenischen Namen haben, sie dürfen auch ihre Religion nicht sichtbar ausleben“, sagte die 30-Jährige. So sei ein Freund von ihr in der Türkei für das Tragen eines Kettenanhängers in Kreuzform zusammengeschlagen worden. „Ich bin auch da, damit der Genozid an der armenischen Bevölkerung aus dem Jahr 1915 endlich anerkannt wird.“
Der 36-jährige Roman mit türkischen Wurzeln trete für mehr Menschenrechte in der Türkei ein, wie er sagte. „Ich bin für mehr Meinungsfreiheit, gegen die Unterdrückung der kurdischen Minderheit und für mehr Demokratie in der Türkei. Ich bin auch für eine bessere Zukunft unserer Kinder, falls wir jemals dorthin zurückkehren“, fügte er hinzu.
Ein 60-jähriger Teilnehmer sagte, dass Erdogan ein „faschistischer Diktator“ sei. „Und einen Diktator brauch ich nicht in Österreich.“
Gegen 17.15 Uhr erreichte die Gegendemo den Platz der Abschlusskundgebung in der Siebeckstraße in Kagran. „Wir wollen Erdogan nicht hierhaben“, sagte einer der zahlreichen Sprecher in seiner Rede, die er auf Türkisch hielt. „Erdogan ist jetzt hier, und das wollen wir nicht. Er hat Polizisten (in der Türkei, Anm.) erlaubt, Jugendliche bei Protesten zu töten. Wir wollen die Freiheit und es geht nur nach seinem Kopf: Er will das Kopftuch, er will, dass wir nur drei Kinder haben. Und wir sind dagegen“, sagte der Sprecher laut der 28-jährigen Gülizar.
Etwa 300 Meter entfernt von der Gegendemo - hinter einem Großaufgebot an Polizei - hatten sich unterdessen Anhänger Erdogans unter der U-Bahnbrücke der U1 in Kagran versammelt. Kurz lag Spannung in der Luft, als Gegner und Anhänger Erdogans einander erblickten, mit erhobenen Fäusten einander zuriefen und ihre Fahnen schwenkten. Es wirkte so, als wollten Anhänger und Gegner aufeinander zustürmen. Die Sicherheitskräfte wirkten angespannt. Als die Gegendemo gegen 18.00 Uhr offiziell beendet wurde und die Teilnehmer langsam das Gelände verließen, begann sich die Situation langsam zu entspannen.
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