Formel 1

Mercedes-Boss Wolff: „Mit Marko spreche ich nicht“

Kulinarischer Empfang in Spielberg: Toto Wolff konnte sich vor dem Rennstart noch einmal stärken.
© Gepa

In Spielberg, beim Heimspiel von Red Bull, gibt sich Mercedes-Sportchef Toto Wolff besonders entspannt. Auch, was die verbale Dauerfehde mit dem Weltmeisterteam Red Bull betrifft, glänzt der Wiener mit Coolness.

Aus Spielberg: Daniel Suckert

Spielberg – Blaue Jeans, ein kariertes Hemd und eine schwarze Sonnenbrille – auch im steirischen Haubenrestaurant Steirereck-Pogusch auf 1200 Metern Seehöhe gibt sich der Motorsportchef von Mercedes, Toto Wolff, nicht anders als sonst. Daran konnten auch die Überhitzungs-Probleme an den Silberpfeilen in Kanada nichts ändern. Der kleinen Journalistenrunde wirft er bei seiner Ankunft ein Lächeln entgegen: „Entschuldigt meine Verspätung!“ Und auch als die „heißen“ Themen angesprochen werden, büßt der 42-Jährige nichts von seiner Lockerheit ein.

„Es war einmal ein Mail ...“

„Es war einmal ein Mail“, beginnt Wolff beim Hotel-Streit zwischen dem deutschen und dem österreichischen Rennstall Red Bull mit einem breiten Grinser zu erklären: „In dem haben wir vor langer Zeit angefragt, ob wir 50 unserer Mercedes-Mechaniker in einem Hotel in Knittelfeld unterbringen können. Zunächst hieß es ,ja‘. Zwei Wochen später kam auf einmal ein E-Mail mit dem Wortlaut: ,Leider stehen die Zimmer nicht zur Verfügung, da sie Red Bull benötigt.‘ Und Punkt.“

Er sei aber im Rahmen des DTM-Spielberg-Rennens schon einmal in einem Hotel von Didi Mateschitz gewesen und über diesen Aufenthalt könne er nur schwärmen: „Das war wunderschön. Es war sogar sauberer als bei mir zu Hause. Und wäre es nicht so weit weg, ich würde wohl immer noch dort wohnen.“ Den verbalen Rosen folgt eine kurze Pause und ein spitzbübisches Lächeln – der Wolf(f) im Angriffsmodus.

Dass einer der wichtigsten Männer von Mercedes und der Motorsportberater von Red Bull, Helmut Marko, kein Herz und eine Seele sind, ist ein offenes Geheimnis. Wolff: „Mit Marko spreche ich nicht.“ Von Feindseligkeiten will der smarte Manager aber auch nichts wissen: „Das geht mehr von der anderen Seite aus. Eigentlich ist es kindisch und natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien. Es ist Entertainment, das verstehe ich. Aber im Prinzip gibt es keine Berührungspunkte.“

Keine anonymen Vorwürfe

Trotz aller Sticheleien will der ehemalige Rennpilot nichts vom anonymen Vorwurf des illegalen Motorentests gegen das österreichische Weltmeisterteam wissen: „Erstens ist es anonym gewesen und da bleibt stets ein bitterer Beigeschmack. Zweitens war der Brief an die FIA (Weltverband, Anm.) adressiert – wir werden hier nicht aktiv. An dem Test sehe ich nichts Illegales.“

Sehr aktiv und intensiv ist auch der augenblickliche Kampf um die Spitze der Formel-1-Weltmeisterschaft zwischen seinen beiden Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Das deutsch-britische Duell habe jedoch das Etikett „Hitzkopf gegen Hitzkopf“ längst verloren. Wolff rekapituliert: „Nach Monaco hat Lewis eingesehen, dass ein trauriges Gesicht nicht zu seinem Image passt. In Kanada war es ein überfreundliches ,Schunkeln‘ zwischen den beiden.“ Der Ehemann von Williams-Testpilotin Susie Wolff glaubt: „Das wird sich schon bald auf einem normalen Level einpendeln.“

Kritischer sieht die Mercedes-Führungskraft die immer noch ausstehende Einigung bezüglich der Budget-Obergrenze in der Königsklasse. Dem rotweißroten Manager schwant sogar noch Schlimmeres: „Ich befürchte, dass ein oder zwei Teams nicht bis zum Ende der Saison zu sehen sein werden. Da stehen welche vor größeren Schwierigkeiten.“ Genauer wollte er nicht darauf eingehen.

Strecken mit Historie sind Wolff am liebsten

Die Rückkehr nach Spielberg sieht er mehr als positiv. Ihm seien Strecken mit Historie am Liebsten. Dass Zampano Bernie Ecclestone gerne nach Asien expandiert, stehe für Wolff in keinem Widerspruch. Das Rückgrat der höchsten Motorsportklasse müssten traditionsreiche Strecken wie Silverstone, Monza, Hockenheim oder eben Spielberg repräsentieren – bei allen anderen könne sich die Formel 1 am globalen Markt orientieren. Ganz nach dem Motto: Warum nicht nach Nordamerika gehen, wenn es im Süden kriselt?

Übrigens: Das Spielberg-Wochenende wird Wolff in einem Wohnmobil in der Nähe der Strecke verbringen. Und in sein „Büro“ strampelt er vorbildlich mit einem E-Bike – ganz ohne zusätzliche Mercedes-Pferdestärken.