Ursula Pasterk: Die Frontkämpferin der SPÖ-Kulturpolitik wird 70

Wien (APA) - Ursula Pasterk ist unter den älteren Kulturfreunden Wiens bis heute unvergessen, auch wenn die einstige SPÖ-Kulturstadträtin na...

Wien (APA) - Ursula Pasterk ist unter den älteren Kulturfreunden Wiens bis heute unvergessen, auch wenn die einstige SPÖ-Kulturstadträtin nach ihrem Abtritt kein öffentliches Amt mehr bekleidete. In ihrer neunjährigen Amtszeit prägte sie schließlich das hauptstädtische Kulturgeschehen nachhaltig. So sind Wien Modern, die Kunsthalle oder auch das Jüdische Museum kulturelle Fixpunkte aus ihrer Amtszeit.

Am Montag feiert die ideologische Frontkämpferin einer sozialdemokratischen Kulturpolitik nun ihren 70. Geburtstag. Dabei war Pasterk die Karriere in der Wiener Kommunalpolitik alles andere als vorgezeichnet, wurde sie doch am 23. Juni 1944 im oberösterreichischen Oberschlierbach geboren. Und zunächst schlug Pasterk auch einen gänzlich anderen Karriereweg als die Politik ein. Zunächst studierte sie Philosophie in Wien und dissertierte über den Philosophen Ernst Bloch. „Das Phänomen der Utopie im Denken Ernst Blochs: Zur kritischen Fundierung der menschlichen Hoffnung in einer ‚Ontologie des Noch-Nicht-Seins‘“, lautet der Titel ihrer Dissertation, mit der sie 1970 ihre Promotion abschloss.

Im Anschluss arbeitete Pasterk zunächst als freie Mitarbeiterin beim ORF und wurde Journalistin, zuletzt beim Nachrichtenmagazin „profil“. Dort geriet sie allerdings in Konflikt mit dem Herausgeber Oscar Bronner, in einer Phalanx mit Kolleginnen wie Trautl Brandstaller und Sigrid Löffler. Da kam der Lockruf von Helmut Zilk ganz zupass. Als der einstige ORF-Star 1979 Wiener Kulturstadtrat wurde, verpflichtete er Pasterk als Beraterin - eine Funktion, in der sie Zilk 1983 auch bei seiner Berufung zum Unterrichtsminister folgte. Und auch ihr nächster Karriereschritt war eng mit dem des SPÖ-Aushängeschilds verbunden: Als Zilk 1984 zum Wiener Bürgermeister gewählt wurde, betraute er Pasterk mit der Intendanz der Wiener Festwochen. 1987 stieg sie zu deren Präsidentin auf - eine Funktion, die sie bis 1991 innehatte und nebenher die Intendanz ehrenamtlich weiterführte.

Der vermutlich größere Aufstieg des Jahres 1987 war aber Pasterks Berufung zur Wiener Kulturstadträtin. In den folgenden Jahren prägte sie das kulturelle Leben der Stadt entscheidend. Sie unterstützte etwa 1988 die von Claudio Abbado mitbetriebene Gründung des Festivals „Wien modern“ und 1992 die Einrichtung der Kunsthalle Wien.

Abseits der strukturellen Vorgaben traf Pasterk aber auch wichtige personelle Entscheidungen, deren Proponenten bis heute die Riege der Kulturschaffenden entscheidend prägen. So war in ihrer Anfangszeit als Kulturstadträtin der heutige Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder Pasterks Büroleiter, der spätere Kunsthallen-Direktor Gerald Matt war ihr persönlicher Berater und Sekretär. Theater-an-der-Wien-Intendant Roland Geyer war vor seiner Berufung Intendant des Sommerfestivals „Klangbogen“, der Nachfolgeinstitution des „Musikalischen Sommers“ der Stadt Wien. Klaus Bachler holte sie 1991 als Intendanten der Wiener Festwochen zurück nach Österreich.

Auch wenn sie ohne jahrzehntelange Hausmacht in der Wiener SPÖ auf ihren Posten gekommen war, betrieb Pasterk stets explizit sozialdemokratische Kulturpolitik. Bis heute berühmt ist ihr Diktum „Kultur ist ein Ideologieressort“ - das sie auch stets dezidiert in die Tat umsetzte. Nicht alle Reformvorhaben konnte Pasterk dabei verwirklichen, auch sie scheiterte immer wieder an der normativen Kraft des Faktischen. Mit ihrem Kulturpolitikverständnis gelangte Pasterk schließlich auch über die Grenzen Wiens hinaus zu Berühmtheit, als die FPÖ zur Nationalratswahl 1995 mit dem legendären Plakat „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk... oder Kunst und Kultur?“ in den Wahlkampf zog.

Pasterk war auch auf ihrem Posten geblieben als Michael Häupl von Zilk die Geschicke der Stadt übernahm. Das Ende ihrer Laufbahn als Kulturstadträtin kam dann jedoch 1996, als die SPÖ erstmals bei den Gemeinderatswahlen ihre absolute Mehrheit verlor. So übernahm für die ÖVP Peter Marboe den renommierten Posten.

Nach ihrem erzwungenen Ausscheiden aus der Politik war Pasterk in eine Debatte um eine mögliche Rückkehr als Intendantin der Festwochen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Sie musste als Festwochen-Präsidentin schließlich zurückgetreten. Dabei bescherte sie auch noch zum Abschluss der Bundeshauptstadt eine bleibende Personalie, kam dank ihr doch Luc Bondy, von ihr als „internationaler Theaterzauberer“ und „Weltregisseur“ gepriesen, 1997 als Schauspieldirektor zu den Festwochen.

Um Pasterk selbst wurde es nach ihrem Ausscheiden ruhig. Auch wenn sie zunächst immer wieder für Positionen wie den ORF-Kulturchef oder die Kulturdezernentin in Frankfurt im Gespräch war - ein hohes Amt trat die SP-Politikerin nie wieder an. Heute ist sie Universitätsrätin an der Kunstuni Linz. Und auch zu ihrem runden Geburtstag will es Pasterk eher ruhig angehen. „Den Montag möchte ich ohne großes Brimborium privat verbringen“, teilte sie der APA mit.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA058 2014-06-20/08:00