Gesellschaft

Warnung vor Wiederholung des Naziterrors

Eine neue Gedenktafel erinnert an das Schicksal von Josef und Anna Griesser. Die beiden Stamser wurden von den Nazis ermordet.

Von Markus Hauser

Stams –Denkmäler, welche Kriegstriumphe verherrlichen und fragwürdige Heldentaten verewigen, gebe es viele, aber Gedenktafeln, welche an die Opfer des Kriegsterrors erinnern, seien leider noch Mangelware in unserem Lande. Diese Ansicht vertritt der Künstler und Historiker Hannes Weinberger und ließ seinen Gedanken Taten folgen. Auf sein Betreiben hin wurde an der Leichenkapelle Stams eine Gedenktafel in Erinnerung an die Euthanasieopfer Anna und Josef Griesser angebracht.

Kürzlich wurde sie von Pater Martin im Beisein von Hannes Weinberger, Bürgermeister Franz Gallop, Gemeinderäten und einer Gruppe Stamser eingeweiht. Zu den zwei aus dem Stamser Weiler Haslach stammenden Opfern des Naziterrors ließ Weinberger wissen: „Josef Griesser litt unter schweren Depressionen und damit verbundener Antriebslosigkeit. Er war nicht in der Lage, eine Frau für sich zu finden, also wurde eine Hochzeit für ihn arrangiert. Aus der Ehe entsprang die behinderte Tochter Anna. Schon sehr bald kam das nationalsozialistische Euthanasie-Räderwerk ins Rollen und beide wurden in die Pflegeanstalt in Hall eingewiesen.“

Ihr weiteres Schicksal teilten sie mit 707 Menschen aus dem damaligen Gau Tirol-Vorarlberg, sie wurden in Hartheim vergast. In Hartheim, einer der sechs Tötungsanstalten des Deutschen Reiches, wurden 18.000 geistig oder körperlich Behinderte umgebracht. Für Hannes Weinberger, Pater Martin und Bürgermeister Franz Gallop hat die Gedenktafel an der Leichenkapelle mehr als den Wert einer Erinnerung. Wie sie unisono betonten, soll sie einem Mahnmal gleich dazu aufrufen, wach zu sein, um menschenverachtende politische Systeme zukünftig zu verhindern.