„Es darf keine halben Kinder geben“
Hassan (18) ist als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling nach Tirol gekommen und hängt seither in der Warteschleife.
Von Alexandra Plank
Innsbruck –Fünf Monate hat die lebensgefährliche Flucht von Hassan aus Somalia nach Tirol gedauert und sie ist noch nicht zu Ende. Seit zwei Jahren wartet der junge Mann auf einen positiven Asylbescheid in zweiter Instanz. 2011 wurde sein Ansuchen abgelehnt. Dennoch hat der 18-Jährige Träume: „Ich möchte den Hauptschulabschluss nachmachen“, erzählt er. Die SPÖ-Gemeinderätin Angela Eberl ist auch Präsidentin des Fußballclubs „FC Sans Papier“. Zehn ihrer Schützlinge warten seit Jahren auf einen Bescheid, fünf sind unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. „In der Flüchtlingspolitik läuft viel falsch. Es gibt zu wenig Betreuer, den Menschen wird eine Integration unmöglich gemacht. Sie dürfen weder arbeiten noch gibt es einen niederschwelligen Zugang zu Deutschkursen.“ In der Stadt Innsbruck ist dennoch etwas in Bewegung: Vor Kurzem wurden zwei Halbtagsstellen für die Betreuung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen geschaffen. SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser kritisiert das Wegschauen der Politik gegenüber dem Schicksal unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge in Österreich. „Dass sich die Politik hier aus der Verantwortung stiehlt, ist beschämend“, sagt Moser. „Es gibt keine halben Kinder!“
Viele Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern geflüchtet sind, leben in Österreich in Flüchtlingsunterkünften für Erwachsene ohne Bezugspersonen und altersadäquate Betreuung. Für jene, die in einer Wohngruppe mit Gleichaltrigen unterkommen, stellt die Kinder- und Jugendhilfe (Jugendwohlfahrt) nur rund die Hälfte des üblichen Tagsatzes zur Verfügung. „Brauchen diese jungen Leute nur halb so viel Betreuung, nur halb so viel Bildung, nur halb so viel Förderung?“, fragt Moser und stellt klar: „Es darf keine halben Kinder geben!“ Landesrätin Christine Baur erklärt den geringeren Tagsatz damit, dass die jungen Flüchtlinge nicht fremduntergebracht seien.
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