Gesellschaft

Familien stehen im Sommer vor geschlossenen Türen

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In die Kinderbetreuung fließt mehr Geld. Ein Knackpunkt bleiben die Öffnungszeiten. Nur 14 Prozent aller Einrichtungen sind im Sommer geöffnet.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –„Es geht irgendwie.“ Diesen Satz hört man derzeit von vielen Eltern, die gerade die Betreuung ihrer Kinder für den Sommer organisieren. „Der Bedarf wird in Tirol unterschätzt“, meint der Haller Michael Kriess, Vater einer zweijährigen Tochter, gegenüber der TT. „Der finanzielle Druck ist in Tirol groß.“ Deshalb brauche es oft zwei Einkommen, um eine Familie zu ernähren. In Tirol haben nur 14 Prozent der Kindereinrichtungen im Sommer geöffnet. Wie die Statistik Tirol aufschlüsselt, bieten 30 Prozent der Kinderkrippen, 14 Prozent der Horte und 6 Prozent der Kindergärten eine Ferienbetreuung an. Das Angebot im Sommer steigt.

Wie Birgit Weihs-Dopfer vom Elternverein „Kids & Family“ berichtet, sind in Seefeld Kindergarten und Hort im Sommer bis auf zwei Wochen in Betrieb und voll. „Seefeld ist auch ein Tourismusort“, erklärt sie. Wichtig sei aber nicht ein punktuelles, sondern ein durchgehendes Betreuungsangebot bis zum 14. Lebensjahr. Die Elternvertreterin erinnert sich an eine Bedarfserhebung vor einigen Jahren. 25 Kinder wurden für den Hort angemeldet. „Jetzt platzt der Hort aus allen Nähten und wird umgebaut.“

Die Bürgermeisterin von Lienz, Elisabeth Blanik (SPÖ), hält bezüglich Kinderbetreuung nichts von Bedarfserhebungen. Ist das Angebot da, wird es angenommen. Die Anmeldungen für den Lienzer Ganztages- und Ganzjahreskindergarten heuer sind wieder leicht gestiegen. „Die Förderungen in Tirol passen. Es gibt keine Ausreden mehr. Jetzt geht es um den politischen Willen in den Gemeinden. Der Druck vom Land auf die Bürgermeister – ich meine jetzt wirklich ohne -Innen – müsste größer werden.“

26 Millionen Euro Bundesmittel wurden diese Woche für den Ausbau der Kinderbetreuung in Tirol zugesichert. Wie berichtet, stehen dabei neue Plätze, Qualität und erweiterte Öffnungszeiten im Mittelpunkt. Das Land muss sich an den Förderungen beteiligen. Wie es am Freitag im Büro von Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hieß, sei der Bedarf im städtischen Bereich größer als im ländlichen. Hat eine Einrichtung 45 Wochen im Jahr geöffnet, ist ein Betreuungsplatz förderungswürdig. In Tirol haben die Kindergärten durchschnittlich nach wie vor über neun Wochen geschlossen. 64 Prozent der Mütter von Kindergartlern sind erwerbstätig, 74 Prozent der Mütter von unter 3-Jährigen in der Kinderkrippe und 82 Prozent der Mütter von Hortkindern. Viele arbeiten in Teilzeit. Der Anteil der Alleinerziehenden wächst mit dem Alter der Kinder. Ein Viertel beträgt er bei den Hortkindern.

Carola Öfner, Leiterin des Eltern-Kind-Zentrums in Wattens, sieht „definitiv einen steigenden Bedarf“ an Kinderbetreuung – auch in den Ferien. „Ich versuche vor allem auf berufstätige Eltern Rücksicht zu nehmen.“ Trotzdem gibt es für Stoßzeiten eine Warteliste. Derzeit werden die Gruppen in Wattens sieben Wochen im Sommer geführt. Eine Erweiterung auf acht Wochen steht im Raum. Auch Katharina Buttinger von der Innsbrucker Kinderkrippe Adolfine bestätigt den hohen Bedarf an Betreuung. Die Krippe ist ganzjährig bis auf zwei Wochen geöffnet und bis Herbst 2015 ausgebucht. Trotzdem versucht man im Sommer einzuspringen.

Kinderbetreuung in Tirol

Ganzjährige Betreuung: In den Barcelona-Zielen der EU steht, dass 33 Prozent der unter 3-Jährigen einen Betreuungsplatz haben sollen. Die Betreuungsquote in Österreich liegt bei 23 Prozent. (Wien 35 Prozent, Tirol 22 Prozent, Oberösterreich 13 Prozent).

Ausbau: Seit 2008 wurden in Tirol 3260 neue Plätze in der Kinderbetreuung geschaffen. Die Einrichtung von noch 3000 Plätzen soll in den nächsten drei Jahren gefördert werden.

Ganztägige Betreuung: 34 Prozent der Kinder in Tirol besuchen die Krippe, den Kindergarten und den Hort ganztägig. Rund 45 Gemeinden in Tirol, also fast jede zweite mit 2000 Einwohnern, haben einen Hort, 82 Prozent eine Kinderkrippe.