Auszeit für Spielzeug und Kinder
Die Innsbrucker Kinderkrippe Adolfinchen reduziert bewusst die Zahl ihrer Spielsachen und führt eine spielzeugfreie Zeit ein.
Von Denise Daum
Innsbruck –„Weißt du, unser Spielzeug haben wir in den Urlaub geschickt. Weil’s müde ist vom Spielen“, erklärt der kleine Aaron (3) mit großen Augen und legt den Kopf schief. In der Innsbrucker Kinderkrippe Adolfinchen wird seit einigen Wochen Schritt für Schritt das Spielzeug reduziert. Der Gruppenraum der zwei- bis dreijährigen „Mäuse“ ist schon recht leer geräumt. „Ein Überangebot von Spielzeug führt gerade bei kleinen Kindern zu Überforderung. Noch dazu lassen die meisten Spielsachen kaum Kreativität zu und sind zu einfältig“, nennt Veronika Kulmesch, Leiterin der Kinderkrippe, Motive für die spielzeugfreie Zeit.
Die Kinder entscheiden gemeinsam, welchem Spielzeug sie eine Ruhepause verschaffen. Die Werkzeugkiste ist bereits zur Baustelle geflogen, der Zug befindet sich auf Weltreise – jeder Abschied wird von der Krippenleiterin in eine Abenteuergeschichte verpackt. Die in einem Kreis sitzenden Kinder überlegen, wer nun an der Reihe ist. Puppe oder Stofftiere? Nach einigem Hin und Her fällt die Wahl auf Ersteres. Sofort springen die Kleinen auf und sammeln alles zusammen, was die Puppe für ihren Urlaub bei der Familie braucht. Puppenwagen, Rucksack, Kleider und Mütze kommen in einen großen Karton. Nachdem das Paket verschnürt ist, greift die kleine Gloria zum Stift und kritzelt die Adresse der Puppenfamilien auf das Päckchen. „Schönen Urlaub“, rufen die Knirpse. Dem Spielzeug weinen sie keine Träne nach.
„Jetzt, wo das Spielzeug langsam knapp wird, fällt die Entscheidung nicht mehr so leicht“, sagt Kulmesch. Im Laufe des Projekts hätten die Konflikte in der Gruppe kaum zugenommen. „Die Kinder entwickeln lustige Ideen und sind kreativer geworden. Sie suchen sich selbst Alternativen. Außerdem bewegen sie sich viel mehr“, erklärt Kulmesch.
Wenn die Reduktion der Spielsachen erschöpft ist, sollen diese schrittweise wieder eingeführt bzw. durch Naturmaterialien ersetzt werden. Bisher ist das Projekt sehr gelungen, daher kann sich das Adolfinchen-Team durchaus vorstellen, es zu wiederholen.
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