Adoptionsrecht für Homosexuelle Thema bei Versammlung der Wiener RAK

Wien (APA) - Am kommenden Dienstag tagt in einem Wiener Innenstadt-Hotel die Plenarversammlung der Wiener Rechtsanwaltskammer (RAK). Dabei s...

Wien (APA) - Am kommenden Dienstag tagt in einem Wiener Innenstadt-Hotel die Plenarversammlung der Wiener Rechtsanwaltskammer (RAK). Dabei soll - geht es nach dem Wunsch von mehr als 30 Anwälten - ein zuletzt ausgebrochener interner Konflikt um das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare bereinigt werden.

Ausgelöst hatte diesen Kammer-Vizepräsidentin Brigitte Birnbau, indem sie in der Tageszeitung „Die Presse“ in einer von der Wiener RAK bezahlten Kolumne das Adoptionsrecht für Homosexuelle ablehnte, weil dies nicht „primär die Interessen der Kinder“ im Auge habe. In der Gesellschaft sei „eine große Gruppe überzeugt, dass der Idealzustand für ein Kind Erziehung durch Mutter und Vater ist“, so Birnbaum.

Diese in Namen der Wiener Rechtsanwaltschaft erschienene Stellungnahme löste bei namhaften Anwälten und Anwältinnen scharfe Kritik aus. Sie verlangen nun in einem Antrag an die Plenarversammlung eine deutliche Distanzierung von der in ihren Augen reaktionären Position Birnbaums. Sie fordern die beschlussmäßige Feststellung, dass für die Anwaltschaft nicht überholte Wertvorstellungen, sondern stets das Kindeswohl an erster Stelle steht. „Wenn das Kindeswohl im konkreten Fall die Adoption durch ein gleichgeschlechtliches Paar gebietet, sollte aus Sicht der Rechtsanwaltskammer Wien der gesetzliche Rahmen dafür bereit stehen“, heißt es in dem der APA vorliegenden Antrag, über den abgestimmt werden soll.

Dass Birnbaums Ansichten unzeitgemäß sind, belegt für ihre Kritiker die Haltung, die der Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertags (ÖRAK), Rupert Wolff, vor wenigen Wochen in einem „Presse“-Interview eingenommen hat. Zum Thema Fremdkind-Adoption meinte Wolff sinngemäß, das Geschlecht eines Paares sollte keine Rolle spielen, sofern die beiden geeignet seien, ein Kind aufzuziehen.

Nicht zuletzt deshalb wollen die Birnbaum-Kritiker sichergehen, dass in Zukunft im Namen der gesamten Wiener Anwaltschaft nicht mehr fragwürdige Ansichten verbreitet werden. Sie treten daher dafür ein, dass in der anstehenden Plenarversammlung auch festgelegt wird, dass öffentliche Äußerungen von Proponenten der Wiener RAK zu gesellschaftlichen oder rechtspolitischen Themen der vorherigen Beschlussfassung durch das zuständige Organ bedürfen.