Flüchtlingszustrom droht Iraks Kurdenregion zu überlasten

Bagdad (APA/AFP) - Die Kämpfe im Irak haben nach UN-Angaben mehr als eine Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Zu 500.000 Vertriebene...

Bagdad (APA/AFP) - Die Kämpfe im Irak haben nach UN-Angaben mehr als eine Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Zu 500.000 Vertriebenen aus der westlichen Anbar-Provinz sind seit Beginn der Isis-Offensive eine halbe Million Menschen aus dem nördlichen Mossul sowie Zehntausende aus dem Osten hinzugekommen.

Um die Flüchtlinge zu versorgen, würden insbesondere Hilfslieferungen in die Kurdenregion im Nordirak verstärkt, teilten UN-Hilfsorganisationen am Freitag in Genf mit.

In der Schweizer Stadt trafen sich Vertreter der Gebernationen hinter verschlossenen Türen. Dabei werde ein neuer Spendenaufruf für kommende Woche vorbereitet, sagte Jens Laerke, Sprecher der UN-Koordinierungsbehörde OCHA. Nach dem aktuellen Aufruf zu Spenden von 105 Millionen Dollar (77 Millionen Euro) seien nur 14 Prozent der Summe zusammengekommen.

Rund 300.000 Menschen aus Mossul haben nach UN-Angaben im autonomen Kurdistan im Nordirak Zuflucht gefunden, wo kurdische Sicherheitskräfte die Kämpfer der Organisation Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (ISIS) bisher abwehren konnten. Die Region ist allerdings überfordert, weil schon der Großteil der 200.000 Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land in den Irak geflüchtet sind, dort aufgenommen wurden.

„Viele wollen inzwischen nach Syrien zurückkehren, obwohl weite Teile des Landes weiter umkämpft sind“, sagte Adrian Edwards, Sprecher des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge. „Die Flüchtlingskrise könnte weiter eskalieren.“ Um die Vertriebenen zu versorgen, versuchten die UN-Hilfsorganisationen, Zelte, Matratzen, Bettdecken und Öfen in die Kurdenregion zu bringen. Auch medizinische Hilfe werde dringend gebraucht, weil die Nachschublinie aus Bagdad abgeschnitten sei, hieß es am Freitag in Genf.