Deutschland

Sorge um Westerwelle: An akuter Leukämie erkrankt

Im letzten halben Jahr, seit er sich aus dem Auswärtigen Amt verabschieden musste, hatte sich Guido Westerwelle rar gemacht. Jetzt kommt heraus, dass er an Leukämie erkrankt ist. Die Sorgen sind groß.

Berlin – Der frühere deutsche Außenminister und FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle ist mit 52 Jahren an akuter Leukämie erkrankt. Das teilte seine Stiftung, die Westerwelle-Foundation, am Freitag mit. Der 52-Jährige befindet sich demnach derzeit in stationärer medizinischer Behandlung. Ziel sei die vollständige Genesung des Politikers, erklärte der Leiter des Büros der Stiftung mit Sitz in Berlin, Alexander Vogel.

Nachdem die ersten Gerüchte die Runde gemacht hatten, ließ Westerwelle seine Krebs-Erkrankung am Freitag auf seiner Facebook-Seite bekanntgeben. Im aktuellsten Eintrag heißt es nun dort: „Guido Westerwelle befindet sich bereits in medizinischer Behandlung mit dem Ziel einer vollständigen gesundheitlichen Genesung.“ Verbunden mit der Bitte, von allen Nachfragen abzusehen.

Erkrankung bislang nicht bekannt

Für die allermeisten, die in Berlin mit Politik zu tun haben, ist dies eine große, schlimme Überraschung. Wenn man Westerwelle im letzten halben Jahr, seit er sich aus dem Auswärtigen Amt verabschiedet hatte, überhaupt zu sehen bekam, wirkte er gesund und gut gelaunt. Ein bisschen schmaler, aber mit frischer Gesichtsfarbe und seit einer Weile auch mit einem Fünf-Tage-Bart.

Die ersten Wochen nach dem Abschied hatte er auf Mallorca verbracht, wo er zusammen mit Ehemann Michael Mronz seit einigen Jahren ein Haus besitzt. Dann war er auf Vortragsreise in den USA, in Nigeria und tauchte vor der Europawahl auch beim Parteitag der FDP in Dresden auf. Reden wollte er dort nicht, was aber nichts mit seiner gesundheitlichen Verfassung zu tun hatte, sondern eher etwas mit dem Zustand seiner Partei.

Und dann gab er vor kurzem auch den ersten Empfang der neuen Stiftung, die seinen Namen trägt, der „Westerwelle Foundation“ am Kurfürstendamm. Das Geld dafür kommt vom Internet-Milliardär Ralph Dommermuth („United Internet“), einem seiner persönlichen Freunde. Zum Start gab Westerwelle zum ersten Mal wieder ein längeres Interview.

Auf die Frage, wie es ihm denn gehe, antwortete er vor zwei Wochen noch der „Welt“: „Vielen Dank, sehr gut. Anders als Journalisten meinen, nimmt die Lebensqualität mit weniger Presse nicht ab, sondern zu.“ Westerwelle, wie man ihn kennt. Die Antwort auf die Frage, wie er den Politik-Entzug verkraftet, fiel dann überraschender aus: „Ich bin weder in das berühmte schwarze Loch gefallen, noch musste ich für den Alltag resozialisiert werden.“ Keineswegs selbstverständlich für jemanden, der seit mehr als 30 Jahren zum Politbetrieb der Bundesrepublik gehört.

Genesungswünsche aus allen politischen Lagern

Dann sprach er über die ersten Projekte seiner Stiftung - eine Filmhochschule in Ruanda, ein Kinderhilfsorganisation in Brasilien, ein Bildungsplan in Nigeria. Jetzt allerdings muss sich Westerwelle zunächst einmal um sich selber kümmern. Aus allen politischen Lagern bekam er am Freitag herzlich gemeinte Genesungswünsche.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Westerwelle gute Genesung gewünscht. „Ich kenne Guido Westerwelle seit langen Jahren als einen großen Kämpfer“, erklärte Merkel am Freitag. „Jetzt in dieser für ihn so schwierigen Zeit wünsche ich ihm alle Kraft und Zuversicht, um wieder gesund zu werden. Meine Gedanken sind bei ihm.“

FDP-Chef Christian Lindner reagierte bestürzt auf die Nachricht: „Wir sind in Gedanken bei Guido Westerwelle. Von Herzen wünschen wir ihm, dass er seine Erkrankung bald und vollständig überwindet.“

Sein Vorgänger und Nachfolger Frank-Walter Steinmeier erfuhr von der Erkrankung bei einem Besuch in Istanbul - eine der Städte, die Westerwelle in seiner Außenministerzeit viele Male besucht hatte und eine seiner erklärten Lieblingsstädte. Steinmeier nahm die Nachricht mit „großer Bestürzung“ zur Kenntnis. „Ich wünsche ihm, auch im Namen aller Mitarbeiter des Auswärtigen Amts von Herzen viel Kraft für den Kampf gegen die Krankheit und baldige vollständige Genesung.“ (APA/AFP/dpa)