Monatelanger Kampf um das beste Angebot für Alstom

Paris/München/Fairfield (Connecticut) (APA/AFP) - Zwei Monate schon dauert die Übernahmeschlacht um den französischen Industriekonzern Alsto...

Paris/München/Fairfield (Connecticut) (APA/AFP) - Zwei Monate schon dauert die Übernahmeschlacht um den französischen Industriekonzern Alstom an, jetzt steuert sie auf den Höhepunkt zu: Der Alstom-Verwaltungsrat will spätestens bis Montag entscheiden, ob Siemens und der japanische Konzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) den Zuschlag erhalten oder deren US-Konkurrent General Electric (GE).

Die wichtigsten Etappen des Bieterkampfes im Überblick:

APRIL

23. April: Die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, General Electric wolle Alstom für „mehr als 13 Milliarden Dollar“ aufkaufen.

24. April: Alstom teilt lediglich mit, über „kein öffentliches Kaufangebot“ informiert zu sein. Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ berichtet, GE sei nur an der Alstom-Energiesparte interessiert, die für 70 Prozent des Konzernumsatzes steht.

25. April: Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg macht seine Ablehnung der Pläne deutlich: „Die Regierung arbeitet an anderen Lösungen und Möglichkeiten.“ Zugleich kritisiert er, nicht von Alstom über die Übernahmepläne informiert worden zu sein; später wird der Minister Alstom-Chef Patrick Kron sogar vorwerfen, ihn belogen zu haben.

26. April: Siemens steigt in den Bieterkampf ein: In einem Brief an Kron bekundet Siemens-Chef Joe Kaeser ebenfalls Interesse an der Energiesparte der Franzosen und bewertet diese mit bis zu elf Milliarden Euro. Siemens bietet an, im Gegenzug große Teile seines Bahngeschäfts an die Franzosen abzutreten.

28. April: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wirbt für ein Geschäft zwischen Siemens und Alstom: Er sehe „große Chancen und Potenziale“ für Deutschland und Frankreich.

29. April: Vorstand und Aufsichtsrat von Siemens beschließen, Alstom ein Angebot vorzulegen. Bedingung: Die Münchner wollen erst vier Wochen lang die Bücher von Alstom prüfen.

In einer abendlichen Sitzung spricht sich der Alstom-Verwaltungsrat für die Offerte von GE aus, die sich auf 12,35 Milliarden Euro für die Energiesparte beläuft. Zugleich gibt Alstom möglichen Mitbewerbern einen Monat Zeit, ein eigenes Angebot vorzulegen.

MAI

6. Mai: Frankreichs Staatschef François Hollande weist das GE-Angebot als „bislang unzureichend“ zurück und fordert Nachbesserungen.

15. Mai: Die französische Regierung sichert sich per Dekret ein Veto-Recht bei ausländischen Investitionen in strategisch wichtigen Branchen wie Energie und Transport - und hat damit mehr Druckmittel im Übernahmekampf um Alstom.

28. Mai: General Electric sagt die Schaffung von 1000 Arbeitsplätzen in Frankreich zu.

JUNI

11. Juni: Siemens gibt überraschend bekannt, sich im Bieterkampf um Alstom mit dem japanischen Industriekonzern Mitsubishi zusammengeschlossen zu haben. Beide wollen prüfen, ob sie ein gemeinsames Angebot abgeben.

16. Juni: Siemens und Mitsubishi legen eine Offerte für Teile der Alstom-Energiesparte vor. Anders als die von GE angestrebte komplette Übernahme der Alstom-Energiesparte will Siemens nur das Gasturbinengeschäft übernehmen, Mitsubishi in den Bereichen Dampfturbinen, Wasserkraft und Energienetze Joint Ventures mit den Franzosen bilden. Zusammen bieten beide Konzerne sieben Milliarden Euro.

17. Juni: Siemens-Chef Kaeser wirbt bei einem Treffen mit Hollande in Paris für sein Angebot und bezeichnet es als dem von GE „überlegen“.

19. Juni: General Electric bessert sein Angebot nach: Anstelle einer Komplett-Übernahme der Alstom-Energiespartet bietet der US-Konzern jetzt die Gründung von drei Gemeinschaftsunternehmen mit den Franzosen im Energiesektor an und will seine Bahnsignaltechnik an Alstom abgeben.

20. Juni: Siemens und Mitsubishi legen ebenfalls ein nachgebessertes Angebot vor und erhöhen ihren Einsatz von sieben auf 8,2 Milliarden Euro.

~ ISIN DE0007236101 US3696041033 WEB http://www.alstom.com/

http://www.siemens.com

http://www.ge.com/ ~ APA433 2014-06-20/16:00