Serbien: Fünf Polizei-Spitzenfunktionäre des Amtes enthoben

Belgrad (APA) - Nach einer Reihe von Affären im serbischen Innenministerium hat die Regierung am Freitag Personalwechsel in seiner Führung v...

Belgrad (APA) - Nach einer Reihe von Affären im serbischen Innenministerium hat die Regierung am Freitag Personalwechsel in seiner Führung vorgenommen. Wie Premier Aleksandar Vucic bei einer Pressekonferenz erläuterte, wurden alle fünf Chefs der Innenministeriums-Direktionen des Amtes enthoben.

Bis zur Bestellung neuer Leiter würden ihre Aufgaben von den bisherigen Stellvertreter verrichtet werden, sagte Vucic. Der Regierungschef begründete die Entscheidung, die bei einem Treffen mit dem Innenminister Nebojsa Stefanovic und der Innenministeriumsspitze gefasst wurde, mit dem Ausbleiben jeglicher Resultate im Kampf gegen die größten Drogendealer im Lande. Alleine in Belgrad würden nach Erkenntnissen der Polizei täglich zwischen 5 bis 50 Kilo Heroin verkauft. Bei wiederholten Polizeiaktionen seien dagegen nur einige Gramm Heroin sichergestellt worden, erläuterte Vucic.

Präsident Serbiens Tomislav Nikolic hat zuvor die Regierung zur Reformierung der Polizei und zur Bildung eines „modernen Polizeidienstes“ aufgefordert. Der Regierungschef bestätigte die Gerüchte, dass einzelne Polizeifunktionäre Kontakte zu größten Drogendealern unterhalten und sie auch regelmäßig über geplante Polizeiaktionen informieren würden. Im südserbischen Nis seien einige solcher Polizisten bereits festgenommen worden, in Belgrad werde dies erwartet, sagte Vucic.

Einzelne Polizeistrukturen würden sich neuerdings zu viel mit sich selbst und ihrem Einfluss auf die Medien befassen, stellte Ministerpräsident ferner fest. Hinter der politischen Hetze, die gegen seine Regierung seit der Regierungsbildung Ende April geführt werde, stünden auch einige der derzeit bekanntesten Angeklagten, so Vucic. Er nannte in diesem Zusammenhang nicht nur den „Kokain-Boss“ Darko Saric, sondern auch den Geschäftsmann Miroslav Miskovic, einen der reichsten Serben. Gegen beide laufen derzeit in Belgrad Gerichtsprozesse.

Vor einem Attentat fürchtet sich Vucic nicht. „Ich glaube nicht an einen Mordangriff. Der Staat ist wesentlich stärker (als die Kriminellen, Anm.) „, sagte er zu Spekulationen, dass ihn ein ähnliches Schicksal wie den früheren Premier Zoran Djindjic ereilen könnte. Djindjic war im März 2003 ermordet. Am Attentat waren sowohl Angehörige einer Sonder-Polizeieinheit wie auch einer Mafia-Gruppe beteiligt.

Die fünf Polizeidirektionen (Sektionen), von welchen die Rede ist, sind die Polizeidirektion, Direktion für Verkehr, Grenzpolizei, Verkehrspolizei, Kriminalpolizei und Direktion für den Wachdienst.