Red-Bull-Aufsteiger Ricciardo: „Ich bin jeden Tag dankbar“
Sein Lächeln wurde nach seinem ersten Formel-1-Sieg noch breiter, sonst glänzt Daniel Ricciardo mit Bodenständigkeit. Mit der TT sprach er über seinen Traumjob Rennfahrer.
Herr Daniel Ricciardo, Sie haben vor knapp zwei Wochen Ihren ersten Formel-1-Grand-Prix gewonnen und liegen in der WM-Wertung 19 Punkte vor Ihrem Teamkollegen und vierfachen Champion Sebastian Vettel. Wie ist das möglich?
Daniel Ricciardo (lacht): Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich habe mich auf Anhieb in unserem Auto wohl gefühlt und mich beim Team sehr gut eingelebt. Generell glaube ich, dass es immer von der Strecke abhängt. Es ist nicht so, dass ich irgendeine Kurve besser fahre als Sebastian. Ich glaube, dass mir das gute Gefühl in dem Boliden in gewissen Situationen einen kleinen Vorteil bringt. Unsere Duelle fühlen sich gut an und machen sehr viel Spaß.
Wie ist Ihre Beziehung zu Weltmeister Vettel?
Ricciardo: Wir verstehen uns sehr gut, sind vom Alter her nur zwei Jahre voneinander getrennt. Unser Humor ist sehr ähnlich, wir verbringen auch Zeit miteinander. Auf der Strecke schenken wir uns nichts, aber das ist normal. Man kann trotzdem eine gute Beziehung haben. Wir sprechen privat nicht nur über die Formel 1. Letzte Woche war Seb klettern und dann hat er mir seine Fotos gezeigt.
Was hat sich in den letzten 14 Tagen seit Ihrem ersten Sieg alles getan?
Ricciardo (lacht): Es war anstrengend, da waren viele Anrufe, E-Mails und Gratulationen. Ansonsten ist alles gleich geblieben. Meine Zufriedenheit ist hoch, aber es gibt keinen Grund, sich auszurasten. Für den nächsten Sieg muss ich noch härter arbeiten. Es wird einem ja nichts geschenkt.
Wer war aller unter den prominenten Gratulanten?
Ricciardo: Wow, eine Menge Leute. Mein Landsmann Mark Webber (Ex-Red-Bull-Pilot, Anm.), viele andere Formel-1-Piloten – auch Casey Stoner und Mick Doohan (Motorrad-Stars, Anm.) haben sich gemeldet. Das ist schon sehr cool.
Letztes Jahr bei Toro Rosso war Ihr Ziel, ein Red-Bull-Cockpit zu bekommen – was steht nun auf der „To-do-Liste“ ganz oben?
Ricciardo: Der nächste Schritt ist, Weltmeister zu werden. Das ist ganz klar. Ich weiß nun, dass ich es schaffen kann. Hoffentlich erreiche ich dieses Ziel schnell. Wir werden sehen. Aber diese Box möchte ich unbedingt öffnen.
In Sachen WM fehlt Ihnen augenblicklich auf die Spitzenreiter von Mercedes einiges.
Ricciardo: Wir haben ein gutes Auto, wir machen Fortschritte, aber wir können nur von Rennen zu Rennen schauen. Die Lücke ist da und wir probieren, diese zu schließen. Aber wir brauchen, wie in Kanada, auch Glück, um ganz an die Spitze zu fahren.
Trotz Ihres Aufstiegs scheinen Sie nichts von Ihrer Bodenständigkeit verloren zu haben. Wie geht das in der Glitzerwelt der Formel 1?
Ricciardo: Ich genieße einfach, was ich tue und ich bin jeden Tag dankbar dafür. Es gibt so viele Menschen, die gerne ein Formel-1-Pilot wären. Und ich bin einer. Es gibt Fahrer, die nicht schätzen, wie privilegiert wir sind. Es ist für mich ganz wichtig, die kleinen Dinge im Leben zu genießen.
Red-Bull-Pilot, Grand-Prix-Sieger – hat sich mittlerweile Ihre Angst vor dem weißen Hai gelegt?
Ricciardo (lacht): Nein. Ich habe immer Angst vor dem weißen Hai. Vor der Saison war ich in Australien surfen. Aber stets nur in der Nähe des Strands, wo ich alles sehen konnte. Dort, wo die kleinen Wellen waren.
Formel-1-Legende Ayrton Senna meinte einst: Gewinnen ist wie eine Droge. Sind Sie schon „süchtig“?
Ricciardo: Oh ja. Absolut. Auf dem Podium zu stehen und die Champagner-Dusche zu genießen – das ist einzigartig. Ich habe mir heute das Podium schon angeschaut und ich hoffe, dass ich da am Sonntag oben stehen werde.
Für Red Bull ist Spielberg das Heimrennen. Bedeutet das für Sie eine Extraportion Druck?
Ricciardo: Nein, nicht mehr als sonst. Wir sind alle sehr aufgeregt, die ganzen Zuschauer unterstützen uns und das fühlt sich sehr gut an. Das steigert unsere Motivation. Ich hoffe, wir können es den Fans am Sonntag mit einem Erfolg zurückgeben.
Ihre Ziele für das sonntägige Rennen in der Steiermark? Wieder „Best-of-the-Rest“?
Ricciardo: Ja, der dritte Platz wird unser primäres Ziel sein. Natürlich wollen wir lieber ganz vorne stehen, aber realistisch gesehen kämpfen wir um Rang drei. Sollte Mercedes jedoch Probleme bekommen, dann sind wir da. Wir werden sehen, was passiert.
Das Gespräch führte Daniel Suckert
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