Nestroyspiele Schwechat: „Krähwinkel“ mit vielen Gegenwartsbezügen
Schwechat-Rannersdorf (APA) - Für die 42. Nestroy-Spiele Schwechat hat Peter Gruber diesmal auf „Freiheit in Krähwinkel“ zurückgegriffen und...
Schwechat-Rannersdorf (APA) - Für die 42. Nestroy-Spiele Schwechat hat Peter Gruber diesmal auf „Freiheit in Krähwinkel“ zurückgegriffen und daraus - so der gewählte Untertitel - ein „Freiheits“-Event gestaltet. Wie nicht anders zu erwarten, hat sich das Resultat bei der Premiere am Samstagabend als an reichlichen Gegenwartsbezügen überschäumende Interpretation erwiesen. Nüchternes Resümee: die Revolution - eine Chaos-Show.
Es ist kein Vergnügen, die Eingangsformalitäten im Schloss Rothmühle zu absolvieren, wo die Besucher zur Begrüßung am Grenzbalken wegen eines Visums angeschnauzt werden. Auch im Zuschauerbereich wird man vor allem zurechtgewiesen und ist froh, einigermaßen unbehelligt den Ort des Geschehens erreicht zu haben. Weder museal noch zeitlos wollte Gruber seine Inszenierung anlegen und verlieh der dramaturgischen Grundidee mit zahlreichen aktuellen Anspielungen weit über die Couplettexte hinaus einen deutlich kabarettistischen, aber durchaus ernsthaft erlebbaren Charakter.
Auch die Optik ist zeitgemäß: Da prangt der Schriftzug „Puber“ an der Bühnenwand, laufen Demonstranten mit Tafeln umher, auf denen „Kein Mensch ist illegal“ oder „Bildung für alle“ zu lesen ist. Zwischendurch tritt Pater Erwin aus Sankt Pröllten auf, ein Gröfaz-Verschnitt bezeichnet Österreich als letztes Bollwerk des Stalinismus. Provokationen bis in Details: Die Schwechater Revolutionäre trinken Gösser-Bier.
Die schräge Pausenparty nach erfolgter politischer Wende gerät zum verstörenden Tohuwabohu, aus dem sich die Aufführung im zweiten Teil nicht mehr zu erholen scheint: Die Revolution zerfällt im Durcheinander der disparaten Statements und persönlichen Interessen. Star des Abends ist Valentin Frantsits, der als aufklärerischer Journalist Eberhard Ultra den Aufruhr mit Charme, Schmäh, aber auch Emotionalität zur rechten Zeit anführt.
Den autoritären Bürgermeister verkörpert Franz Steiner, Harald Schuh gibt den opportunistischen Stadtkommandanten Rummelpuff, Ottwald John den dichtenden Stadtrat Sperling, Bella Rössler und Maria Sedlaczek sind als gewohnt resolute Bürgergattinnen im Einsatz. Immer wieder stellt das ohne Gagen (!) auftretende Ensemble unter Beweis, wie man auch im Sommer gleichermaßen anspruchsvolles, relevant engagiertes, gescheites und unterhaltsames Theater auf die Beine stellen kann.
(S E R V I C E - Nestroyspiele Schwechat: „Krähwinkel - ein ‚Freiheits‘-Event“. Regie: Peter Gruber. Mit Valentin Frantsits, Marion Gatt, Bruno Reichert, Bella Rössler, Franz Steiner u.v.a.; Vorstellungen bis 26. Juli. Nestroy-Frühstück mit den Krähwinkler Sirenen am 29. Juni sowie am 6., 13. und 20. Juli, jeweils ab 9.00 Uhr. Tickets und Information: Tel. 01/7078272, www.nestroy.at)
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