Nach Hochwasserkatastrophe

Tiroler lassen Wasser in Bosnien sprudeln

Die Jahrhundertflut in Bosnien zerstörte vielerorts die Wasserversorgung. Soldaten des österreichischen Bundesheeres, darunter neun Tiroler, versorgen die Bevölkerung mit dem lebenswichtigen Element.

Von Christoph Mair

Innsbruck, Orasje –Sauberes Trinkwasser gehört zu den wichtigsten Lebensmitteln. Seine ganze Bedeutung erfasst oft erst, wer es plötzlich nicht mehr zur Verfügung hat.

Auch über einen Monat nach der schlimmsten Hochwasserkatastrophe seit einem Jahrhundert am Balkan können viele Menschen in Bosnien-Herzegowina nicht einfach den Wasserhahn aufdrehen. Leitungen sind kaputt, das Wasser verschmutzt. Ein 76 Mann starkes Kontingent der Katastrophenhilfeeinheit AFDRU (Austrian Forces Desaster Relief Unit) des österreichischen Bundesheeres sorgt in der Region Orasje in Nordbosnien dafür, dass die schwer geprüfte Bevölkerung sauberes Trinkwasser hat. Bis zu 240.000 Liter Wasser aus der verschmutzten Save können die Soldaten bei Bedarf chemisch so aufbereiten, dass es der österreichischen Trinkwasserverordnung entspricht.

Unter den Soldaten sind auch neun Tiroler der ABC-Abwehrkompanie in Absam. „Das war keine Frage, dass wir helfen“, sagt Markus Zoller, Oberstabswachtmeister aus Telfs. Für den Familienvater ist es bereits der zweite derartige Einsatz nach dem Tsunami 2005 in Sri Lanka. Der 42-Jährige befehligt eine der drei Wasseraufbereitungsgruppen. Derzeit stellen die Spezialisten 70.000 Liter trinkbares Nass täglich her. Kürzlich wurde der millionste Liter verteilt.

AFDRU sei eine der wenigen Organisationen, die auch die Verteilung des Wassers mit Tankwagen übernehmen. An einer der Pumpen, die dreckiges Wasser aus dem Fluss zum Aufbereitungsplatz befördern, arbeitet Korporal Thomas Giner aus Unterperfuss. Mit erst 22 Jahren ist es für den Korporal ebenfalls der zweite Auslandseinsatz – und eine Bestätigung seiner Arbeit beim Militär. „Ich bin dazu da, um Menschen zu helfen. Das habe ich mir vom Bundesheer erhofft.“ Ungefährlich ist der Einsatz nicht. Von der Flut verspülte Landminen stellen eine unsichtbare Gefahr dar. Deshalb verfügt das österreichische Kontingent auch über eigene Minenexperten. Giners Familie unterstützt den Korporal. „Mein Vater hat zum Abschied gesagt, dass er stolz auf mich ist.“

Die größte Herausforderung im Einsatz? „Man muss viel mitdenken und genau arbeiten, damit das Wasser hygienisch bleibt“, erklärt Giner. Starke Eindrücke wirken auf die Tiroler, wenn sie ihr kostbares Gut zu einer der 32 Wasserabgabestellen in der Region bringen, wo die Bevölkerung mit großen Flaschen wartet. „Was nach dem Krieg gerade wieder aufgebaut worden ist, wurde wieder zerstört“, bringt Markus Zoller die Dramatik der Lage auf den Punkt. Aber: „Man sieht auch die Hilfe, die von überall her kommt.“ Die Hilfe aus Österreich werde noch so lange im Einsatz bleiben, bis die normale Wasserversorgung wiederhergestellt ist.

Tiroler Kontingent

Bosnien: Nach der Hochwasserkatastrophe sind 76 österreichische Soldaten zur Wasseraufbereitung im Einsatz, darunter 9 Tiroler: Thomas Giner (Unterperfuss), Fabian Woloschyn (Achenkirch), Bernd Fauster (Axams), Markus Zoller (Telfs), Günther Lanthaler (Hart), Simon Krallinger (Volders), Dean Tomas (Innsbruck), Burak Candan und Patrick Seyer (Wörgl).