Abdullah-Anhänger protestieren in Kabul gegen Wahlfälschung
Kabul (APA/AFP) - Eine Woche nach der Stichwahl in Afghanistan haben Anhänger von Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah gegen angeblich...
Kabul (APA/AFP) - Eine Woche nach der Stichwahl in Afghanistan haben Anhänger von Präsidentschaftskandidat Abdullah Abdullah gegen angebliche Wahlfälschungen protestiert. „Lang lebe Abdullah“, riefen mehrere hundert Menschen in der Hauptstadt am Sonntag. Das Wahlkampfteam Abdullahs veröffentlichte einen Audiomitschnitt, der die Betrugsvorwürfe gegen den Sekretär der Wahlkommission beweisen soll.
Am Samstag waren in Kabul rund tausend Demonstranten auf die Straße gegangen. „Wir werden unsere Stimme bis zum letzten Blutstropfen verteidigen“, skandierte die Menge. Die Proteste blieben zunächst friedlich, doch wächst die Sorge, dem Land drohe nach der Wahl statt eines demokratischen Aufbruchs eine tiefe politische Krise. Im westlichen Herat verbrannten Studenten ihre Wahlkarten als Zeichen des Protests gegen die angeblichen Manipulationen bei der Stichwahl zwischen Abdullah und seinem Gegenkandidaten Ashraf Ghani am 14. Juni.
Das Lager Abdullahs stellte am Sonntag bei einer Pressekonferenz einen Audiomitschnitt vor, der den Sekretär der Wahlkommission, Sia-ul-Hak Amarchail, ins Zwielicht rückt. In den 13-minütigen, schwer zu verstehenden Aufzeichnungen sollen Amarchail, weitere Kommissionsmitglieder und „ein Mitglied aus Ghanis Team“ zu hören sein. Unter anderem soll darin Ghani zugesichert werden, dass Mitarbeiter der Kommission benutzt würden, seinen Sieg zu sichern. Wie Abdullahs Wahlkampfteam an die Aufzeichnungen kam, war unklar. Auch konnte deren Authentizität nicht von unabhängiger Seite geprüft werden.
Abdullah hatte am Mittwoch den sofortigen Abbruch der Stimmenauszählung und ein Eingreifen der UNO gefordert. Die Zusammenarbeit mit der Wahlkommission erklärte er für beendet. Der frühere Außenminister wirft seinem Gegenkandidaten Ghani, dem scheidenden Staatschef Hamid Karzai und den Wahlbehörden vor, in betrügerische Machenschaften verwickelt zu sein, um ihn auf dem Sprung ins Präsidentenamt zu stoppen.
Seinen Angaben nach wurde die Wahlbeteiligung, die offiziell bei sieben Millionen Wählern lag, zu hoch angegeben. In manchen Provinzen seien zudem mehr Stimmen abgegeben worden, als dort Wähler registriert waren. Abdullah war mit 13 Punkten Vorsprung aus der ersten Wahlrunde Anfang April in das Duell mit Ghani eingezogen. Nun liegt er Medienberichten zufolge jedoch deutlich zurück. Ein offizielles Ergebnis soll am 2. Juli bekannt gegeben werden.
Die UN-Mission rief die afghanischen Sicherheitskräfte zu „voller Neutralität“ auf. Der Vize-Missionsleiter Nicholas Haysom drängte die Anhänger beider Kandidaten, auf „aufrührerische Äußerungen“ zu verzichten. Abdullah wird vor allem von den Tadschiken und anderen ethnischen Minderheiten im Norden und Westen Afghanistans unterstützt, während Ghani bei der größten Volksgruppe der Paschtunen im Süden und Osten Rückhalt findet.
Bei zwei Anschlägen wurden am Freitag und Samstag nach offiziellen Angaben drei US-Soldaten sowie ein afghanischer Zivilist getötet. Die NATO-geführte internationale Schutztruppe ISAF zieht sich bis Ende des Jahres vom Hindukusch zurück. Sollte sich der Wahlkonflikt verschärfen, wäre dies ein weiterer Rückschlag für die internationalen Bemühungen, das Land 13 Jahre nach dem Sturz der Taliban zu stabilisieren.
(NEU: Vom Abdullah-Lager veröffentlichter Audiomitschnitt soll Wahlbetrug beweisen)
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