Wie die Römer ihr Geschäft machten

Innsbruck – Eine Tonne gefüllt mit Mist, jede Menge Schalbretter und Wasser aus Feuerwehrschläuchen: Das waren am Donnerstag die Zutaten für...

Innsbruck –Eine Tonne gefüllt mit Mist, jede Menge Schalbretter und Wasser aus Feuerwehrschläuchen: Das waren am Donnerstag die Zutaten für ein ungewöhnliches archäologisches Experiment am Gelände der Innsbrucker Berufsfeuerwehr. „Wir wollen herausfinden, wie die Wasserspülungen der öffentlichen Toiletten im alten Rom funktionierten“, erklärt Archäologe Hannes Lehar. „Latrinengerüchte“, auf der Toilette „ein Geschäft machen“ – beides Phrasen, die ihre Ursprünge im römischen Alltag haben. Fast überall im Römischen Reich existierten öffentliche Toiletten, die manchmal 30 und mehr Besuchern Platz boten. Die Römer saßen nebeneinander auf Holzbänken mit Löchern, Trennwände gab’s nicht, was Geschäftsabsprachen und das Verbreiten von Gerüchten erleichterte. Unter den Holzbänken floss Wasser, das – so glaubten viele Wissenschafter – die Exkremente beseitigte. Archäologe Lehar, ursprünglich gelernter Sanitär- und Heizungstechniker, hat Zweifel. „Das Gefälle der Wasserrinne war vermutlich nicht ausreichend, um eine Entfernung der Exkremente zu gewährleisten. Dazu kommt, dass die Toilettenanordnungen teils mehrere 90-Grad-Winkel aufwiesen.“

Um Klarheit zu schaffen, bauten Lehar und seine Mitarbeiter mit Schalbrettern eine in Kempten ausgegrabene öffentliche Toilette aus römischer Zeit am Gelände der Innsbrucker Berufsfeuerwehr nach. Für die Spülung sorgten Feuerwehrmänner, die das Wasser in die Anlage einleiteten. Schon bald war klar, dass die Strömung nicht ausreichte, um den Schweinemist zu entfernen. Im nächsten Versuch ließ Lehar 60 Liter Wasser aus einem Kübel hineinschütten. Mit Erfolg – das Römerklo war weitgehend mistfrei. „Ich gehe davon aus, dass Römer tatsächlich eine Schwallspülung verwendeten“, fasst der Archäologe zusammen: „Was dann noch in der Toilette blieb, wurde möglicherweise von Sklaven entfernt.“ (tom)

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