Polizeiposten-Schließungen in Osttirol: „Der direkte Kontakt wird sicher weniger werden“
Seit heute sind die Polizeiposten St. Jakob und Huben Geschichte. Die acht Beamten wechselten zu ihren neuen Dienststellen nach Matrei und Lienz.
Von Claudia Funder
St. Jakob i. D., Huben –Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ verlässt Erich Gliber den Polizeiposten in St. Jakob, der gestern zusperrte. Die Dienststelle ist eine von drei in Osttirol, die dem Sparstift zum Opfer fallen – die TT berichtete.
„Ich war – mit Unterbrechung – über zwei Jahrzehnte hier tätig, davon zehn Jahre als Postenkommandant“, erzählt Gliber. Etwas Wehmut klang in den Stimmen schon mit, als er und sein Kollege Christoph Dabernig gestern trotz reger Beschäftigung mit dem Ausräumen der Dienstzimmer sympathisch offen Auskunft gaben. Drei der vier Beamten werden heute in Matrei ihren Dienst beginnen, einer startet aus eigenem Wunsch in Lienz. Dass alle vier Männer nun nahe ihrer Wohnorte stationiert sind, wird von ihnen begrüßt. Auf den neuen beruflichen Alltag ist man gespannt. „Der Tagesablauf wird sich etwas ändern, ich werde mehr im Außendienst sein. Auf die neue Einteilung muss man sich erst einstimmen“, meint Gliber. Auch wenn versucht wird, die Präsenz im Defereggental aufrechtzuerhalten, wird sie geringer ausfallen. „Der direkte Kontakt mit der Bevölkerung wird sicher etwas auf der Strecke bleiben“, bedauert der langjährige Postenkommandant.
Hört man sich im Dorf um, reichen die Stimmen von „schade, das ist nicht gut“ bis „Wir werden uns daran gewöhnen, überall muss gespart werden“. Verunsicherung ist spürbar – aufgrund der Abgelegenheit des Ortes, aber auch wegen der Nähe zur Staatsgrenze.
Die drei Talbürgermeister hatten um ein Überleben des Postens gekämpft, stießen aber wie berichtet mit ihrem Wunsch bei Ministerin Johanna Mikl-Leitner auf Granit.
„Bürgermeister Gerald Hauser hat versucht, das Möglichste zu retten“, betont auch Gliber. Eine Notlösung für das Tal brachte der Ortschef aber nach vielen Gesprächen zustande. Ab heute steht ein Polizeistützpunkt zur Verfügung, den die Gemeinde kostenlos bereitstellt. Zur Abdeckung polizeilicher Erfordernisse im Winter wurde eine nach Bedarf angepasste Polizeipräsenz vereinbart – allerdings ohne fixe Amtsstunden. Auch sind ein erhöhter Streifendienst für die Zeit des intensiven Ausflugverkehrs über den Staller Sattel in den Sommermonaten und Schwerpunkte bei Großveranstaltungen vorgesehen.
Wer künftig die Polizei bzw. eine Streife braucht, kann den am Gemeindeamt angebrachten Polizeitaster betätigen, der die Verbindung akustisch mit der Leitstelle herstellt.
Bei einer Abschiedsfeier dankte Hauser seinen Mannen: „Ihr seid Freunde, habt euch unglaublich bewährt und wart stets menschlich korrekt. Ich bitte um weiterhin gute Zusammenarbeit.“
Zusperren musste gestern auch der Polizeiposten Huben. Dort zeigte man sich allerdings sehr zugeknöpft. Kommandant Gerhard Waldner erklärte nur knapp, dass die vier Polizisten des Postens nach dessen Schließung in Matrei ihren Dienst antreten.
Der als dritter im Bunde ebenfalls dem Sparstift zum Opfer gefallene Polizeiposten Dölsach bleibt noch etwas länger in Betrieb. Die Zusammenführung mit jenem in Lienz wird sich durch bauliche Erfordernisse verzögern. Die Dienststelle Lienz wird nämlich saniert und erweitert.
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