„Gomorrha“ als Serie: Das Verbrechen brodelt in der Betonwüste 1

München (APA) - Es brodelt in dieser Betonwüste: Heruntergekommene, wie aufgeschüttete Sandhaufen anmutende Wohnblöcke, die Unterkunft und D...

München (APA) - Es brodelt in dieser Betonwüste: Heruntergekommene, wie aufgeschüttete Sandhaufen anmutende Wohnblöcke, die Unterkunft und Drogenumschlagplatz gleichermaßen sind. Neapel, das Herrschaftsgebiet der Camorra. Einen Blick in deren Innerstes liefert ab 10. Oktober die hochgelobte Serie „Gomorrha“ auf Sky. Es ist Roberto Savianos Blick, nach Roman und Film nun seriell ausgestaltet.

Es sei eine Herausforderung gewesen, „das Buch ins Fernsehen zu holen, ohne den Geist des Romans zu verlieren“, erklärte Regisseur Stefano Sollima die Ausgangslage. Vor gut zweieinhalb Jahren ist die Idee entstanden, Savianos schonungslose Abrechnung mit dem organisierten Verbrechen, die 2008 bereits von Matteo Garrone verfilmt wurde, als Serie zu adaptieren. Das fertige Produkt sorgte in Italien bereits für einen ausgewachsenen Publikumserfolg. Dass sich das Interesse nicht auf Landesgrenzen beschränkt, zeigte eine Pressekonferenz der Serienmacher am gestrigen Sonntag in München, bei der auch Saviano selbst anwesend war.

Doch was für viele andere Autoren eine Selbstverständlichkeit ist, gerät bei Saviano zum Hochsicherheitsvorhaben. Der 34-Jährige lebt seit der Veröffentlichung seines Romans vor acht Jahren im Untergrund, muss alle paar Tage den Unterschlupf wechseln und wird ständig von Leibwächtern begleitet. „Manchmal ist es komplizierter, manchmal einfacher“, gab er auf diese Umstände angesprochen zu Protokoll. Saviano wirkte gelassen und ruhig, ganz auf die Materie und die fragenden Journalisten konzentriert. Und ließ mit seinen Antworten tief blicken. „Ich wäre nicht ganz ehrlich, wenn ich sagen würde, dass ich es nicht bereue. Es gibt nichts auf der Welt, wofür man seine eigene Freiheit oder die seiner Familie opfern sollte.“

Doch kaum waren diese Worte gefallen, rückte Saviano wieder seinen Kampf gegen das organisierte Verbrechen in den Mittelpunkt. „Ich würde es wieder tun, wenn ich auch strategisch anders vorgehen würde. Oft habe ich mich wie ein Idiot gefühlt, der aus Ehrgeiz gehandelt hat.“ Die Sinnhaftigkeit hinter seinem Handeln zu hinterfragen liegt dem Italiener aber fern. „Diese Geschichten an die Öffentlichkeit zu bringen, kann zu einem Wandel führen, wie man gesehen hat.“

Diesmal passiert das in Form einer zwölfteiligen Serie. Lose an das Buch angelehnt, verfolgt der Zuseher die Geschicke eines neapolitanischen Camorra-Clans, an dessen Spitze Pietro Savastano (Fortunato Cerlino) steht. Seine rechte Hand, Ciro, führt als Hauptfigur in die Geschichte um Drogenhandel, Bandenrivalitäten und Geldschieber ein. Ein Gesicht gibt ihm Marco D‘Amore, der seinen Charakter mit einem Berg verglich, den er zu erklimmen hatte. „Es war eine große Aufgabe, wie man sie sich als Schauspieler nur wünschen kann“, erklärte er. Zuschreibungen positiver oder negativer Natur an diesen Verbrecher wehrte D‘Amore allerdings ab. „Es geht nicht um die oberflächliche Betrachtung von Gut und Böse, sondern um eine Ausprägung davon, was der Mensch sein kann.“

Ein Ansatz, dem sich die gesamte Inszenierung verschrieben hat: In nüchternen, brutalen Bildern zeigt Sollima die Machenschaften der Savastanos und ihrer Handlanger. Aktion und Reaktionen bedingen einander im täglichen Kampf der Clans, blutige Schusswechsel und Bombenanschläge inklusive. Mehr und mehr wird dabei Ciro zum zentralen Akteur, der seinem Boss loyal ergeben scheint, aber sein eigenes Süppchen kocht. Im Kontrast dazu steht der einzige Sohn der Savastanos, Gennaro (Salvatore Esposito): In seiner unsicheren Art scheint er alles andere als fähig, das Erbe seines Vaters eines Tages antreten zu können.