„Kleist ist immer aktuell“: Maria Happel inszeniert „Das Käthchen“
Perchtoldsdorf (APA) - Die Sommerspiele Perchtoldsdorf haben 2014 einen neuen Intendanten. „Wir wollen versuchen, erstklassige Theaterkunst ...
Perchtoldsdorf (APA) - Die Sommerspiele Perchtoldsdorf haben 2014 einen neuen Intendanten. „Wir wollen versuchen, erstklassige Theaterkunst mit zeitgenössischem Anspruch zu präsentieren“, hat Michael Sturminger versprochen. Während der Intendant selbst heuer bei den Bregenzer Festspielen im Einsatz ist, gibt Maria Happel ihr Perchtoldsdorf-Debüt. Sie inszeniert „Das Käthchen von Heilbronn“. Premiere ist am Freitag.
„Ich finde Kleist immer aktuell. Der bleibt einfach modern“, sagt Happel im APA-Interview. „Alleine, wenn man seine Familienzusammenstellungen untersucht, gibt es keine klassische Vater-Mutter-Kind-Konstellation. Es gibt alleinerziehende Mütter und Väter oder etwa die beiden Tanten, die Kunigunde erziehen. In unserer Patchwork-Familien-Zeit ist das ein spannender Aspekt. Käthchen hat ja auch etwas von einer Stalkerin. Die könnte auch auf Facebook unterwegs sein oder eine Justin-Bieber-Phobie haben.“
Dennoch wird die Burgschauspielerin, die seit längerem auch im Regiefach unterwegs ist, keine simple Transponierung ins Heute versuchen. „Bei Kleist ist alles vielschichtiger als man annimmt. Man öffnet eine Tür, dahinter tun sich sieben neue auf und hinter jeder von denen weitere sieben neue.“ Werden sich noch Elemente des romantischen Ritterdramas in ihrer Inszenierung finden? „Auf alle Fälle, sonst wäre die Burg nicht vonnöten. Aber wir überlassen vieles der Fantasie.“
Eine an die Burg gebaute moderne Bühne und Kostüm-Elemente sollen „ein futuristisches Ritterspiel“ ermöglichen, für Schlechtwetter wird in dem unter dem Parkplatz gebauten Ausweichquartier eine Indoor-Variante mitgeprobt. Die Südtirolerin Anna Unterberger spielt das 15-jährige Käthchen, der Wiener Nikolaus Barton den von ihr vergötterten Graf Wetter vom Strahl. Maria Happel steht selbst als eine von Kunigundes Tanten sowie die Köhlersfrau auf der Bühne, Happels Mann Dirk Nocker ist ebenso mit dabei wie die beiden Töchter, die 12-jährige Paula als Engel und die 17-jährige Annemarie als Eleonore und als Köhlerjunge, „der auch meine allererste Sprechrolle am Theater war“, wie Maria Happel schmunzelnd erzählt. Durch das gesamt-familiäre Engagement habe man „die Chance, im Sommer Zeit miteinander zu verbringen“.
Lange war Happel bei den Festspielen Reichenau im Sommertheater-Einsatz. Eine der köstlichsten Anekdoten, die sie in ihrem Buch „Das Schnitzel wird umbesetzt“ erzählt, handelt davon, wie sie eines Nachmittags in Wien draufkommt, dass die vermeintliche Abend- eine Nachmittagsvorstellung ist, sie in halsbrecherischer Manier nach Reichenau rast und in buchstäblich letzter Sekunde auf die Bühne hechtet. Solche Abenteuer sollten sich nicht mehr wiederholen: „Von meiner Wohnung nach Perchtoldsdorf brauche ich 20 Minuten, wenn alles gut geht. Und es gibt glücklicherweise keine Nachmittagsvorstellungen...“
Zu Ende gegangen ist Happels Lehrtätigkeit am Reinhardt-Seminar: „Ich habe dort gerne unterrichtet und habe mich für eine Professur beworben, aber man hat mich abgelehnt.“ Aber auch das Inszenieren sei „eine gute Möglichkeit, Dinge weiterzugeben.“ Zuletzt wurde sie von Medien für die Direktion des Wiener Volkstheaters ins Gespräch gebracht. „Natürlich hab‘ ich mir das dann überlegt, aber ich war bereits in der Findungskommission und konnte nicht mehr die Seite wechseln.“
Die Übernahme eine Theaterleitung reize sie durchaus, gibt die im Spessart geborene 51-Jährige zu erkennen. „Es sieht ein bisschen so aus, als wäre das eine nächste Stufe. Vielleicht ist das ein Weg für mich. Aber ich habe die Dinge immer auf mich zukommen lassen und möchte keinen Plan machen. Denn das funktioniert eh‘ nie. Aber die Dinge, die zu mir kommen, werde ich auch annehmen.“ Für die Burgtheater-Direktion hat sich Happel aber nicht beworben. Wohl nicht nur, weil das für leitungsunerfahrene Theatermenschen nur ein Himmelfahrtskommando sein kann. Auch, weil die Burg-Krise noch jedem am Haus tief in den Knochen steckt. „Der Abstand ist noch nicht da. Ich habe ja mehr als je zuvor in dieser Spielzeit gearbeitet. Man musste jeden Abend rausgehen, und es ging um alles andere, nur nicht ums Theater.“ Und angesichts der vor Gericht gelandeten Entlassung von Direktor Matthias Hartmann wisse man noch nicht wirklich, wo die Wahrheit über das Vergangene zu suchen sei: „Diese Transparenz, von der geredet wird - ich kann nur sagen: Her damit!“
Derzeit leitet Karin Bergmann interimistisch das Haus - für Maria Happel nicht die schlechteste Besetzung auch für die kommenden Jahre: „Ich fände es schon auf eine gewisse Art fair, zu sagen: Jetzt räumt sie da auf, dann sollte sie auch die Chance bekommen, was Eigenes zu zeigen.“ In der von Bergmann geplanten nächsten Saison wird Happel in Barbara Freys Neuinszenierung von Labiches „Die Affäre Rue de Lourcine“ mitspielen. Und welchem Stück gilt ihre nächste eigene Regie? „Das weiß ich noch nicht, jetzt schau‘n wir mal, wie das ‚Käthchen‘ wird.“
(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Heinrich von Kleist: „Das Käthchen von Heilbronn“, Regie: Maria Happel, Bühne: Andreas Donhauser, Sebastian Eckl, Paul Sturminger, Kostüme: Renate Martin, Marie Sturminger, Musik: Claus Riedl, Mit Anna Unterberger, Nikolaus Barton, Wolfgang Hübsch, Veronika Glatzner, Michael Masula, Cornelia Köndgen, Maria Happel, Dirk Nocker u.a., Burg Perchtoldsdorf, Premiere: 4. Juli, 20 Uhr, Vorstellungen bis 2. August, Karten: 01/866 83-400, www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at)
(B I L D A V I S O - Pressebilder stehen unter http://www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at/presse.html zum Download bereit.)
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