Italiens Marine rettete am Wochenende 5.000 Migranten

Rom (APA) - Italien ist weiterhin mit einer dramatischen Flüchtlingswelle konfrontiert. Über 5.000 Migranten wurden am Wochenende von Schiff...

Rom (APA) - Italien ist weiterhin mit einer dramatischen Flüchtlingswelle konfrontiert. Über 5.000 Migranten wurden am Wochenende von Schiffen der italienischen Marine in Sicherheit gebracht. An Bord eines Fischerbootes mit fast 600 Personen an Bord wurden 30 Leichen entdeckt. Seit Jahresbeginn haben bereits 60.000 Migranten Süditalien erreicht.

„Die Lage ist außer Kontrolle, wir stehen vor einem unmenschlichen Drama“, betonte der Bürgermeister der sizilianischen Hafenstadt Porto Empedocle, Lillo Firetto. Die sizilianischen Stadtoberhäupter machen Druck auf Rom und auf Brüssel. „Sizilien steht vor dem Zusammenbruch. Ganz Italien muss bei der Bewältigung dieser Situation helfen“, betonte der Bürgermeister von Catania, Enzo Bianco. Sein Kollege aus Palermo, Leoluca Orlando, klagte dass Europa angesichts des Dramas, das sich in den Gewässern vor Sizilien abspiele, unsensibel bleibe.

Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi will die Flüchtlingsfrage zum prioritären Thema des Halbjahres seines EU-Vorsitzes machen, der am Dienstag beginnt. „Die Flüchtlingsboote, die täglich Sizilien erreichen, sind eine Schande für Italien und Europa“, klagte Justizminister Andrea Orlando.

Populistische Parteien drängen in Italien auf ein Ende der Mission „Mare Nostrum“ zur Rettung von Flüchtlingen in Seenot. Die Rettungsaktion würde den Menschenhandel über das Mittelmeer fördern, argumentiert unter anderem die rechtspopulistische Lega Nord. „30 Tote auf einem Flüchtlingsboot. Das sind 30 Tote auf dem Gewissen derjenigen, die den Einsatz ‚Mare Nostrum‘ verteidigen, darunter unser Premier Matteo Renzi“, betonte Lega-Vorsitzender Matteo Salvini.

Die Mission „Mare Nostrum“ hatte im Oktober nach zwei Schiffsunglücken vor Lampedusa mit mehr als 360 Toten begonnen. Der Einsatz kostet den italienischen Staat neun Millionen Euro pro Monat. Die Marine fordert zusätzliches Geld für Treibstoff, die Erneuerung der Flotte und Ersatzteile für die Schiffe. Außerdem drängt Italien die EU zu mehr Hilfe im Umgang mit dem Flüchtlingsproblem.