Umstrittene Doktorarbeit von serbischen Minister wird doch untersucht
Belgrad (APA) - Die unter Plagiatsverdacht stehende Dissertation von Serbiens Innenministers Nebojsa Stefanovic dürfte nun doch genauer unte...
Belgrad (APA) - Die unter Plagiatsverdacht stehende Dissertation von Serbiens Innenministers Nebojsa Stefanovic dürfte nun doch genauer unter die Lupe genommen werden. Die Konferenz der serbischen Universitäten (KONUS), das höchste Universitätsgremium, soll sich kommende Woche dazu äußern, berichtete die Tageszeitung „Danas“ am Montag unter Berufung auf den Rektor der Belgrader Universität, Vladimir Bumbasirovic.
Zehn Fakultäten der Belgrader Universität hatten kürzlich die Bildung einer unabhängigen Kommission beantragt, die die Plagiatsvorwürfe untersuchen soll. Diese waren von drei an britischen Universitäten lehrenden Serben erhoben und auf dem regierungskritischen Internetportal „Pescanik“ veröffentlicht worden. Die Website war daraufhin tagelang blockiert.
Stefanovic hatte im Vorjahr an der führenden Belgrader Privatuniversität Megatrend zum Thema Lokalverwaltung in Belgrad promoviert. Im Zuge der Plagiatsaffäre stellte sich heraus, dass sein damaliger Mentor und Universitätsrektor Mica Jovanovic selbst seinen Doktortitel nicht rechtmäßig erworben hatte. Nachdem bekannt wurde, dass er nie wie behauptet 1982 an der London School of Economics and Political Science promoviert hatte, wurde Jovanovic vor zwei Wochen seines Amtes enthoben.
Plagiatsvorwürfe wurden am heutigen Montag auch gegen einen der einflussreichsten Berater von Staatschef Tomislav Nikolic erhoben. Oliver Antic soll, wie die Tageszeitung „Blic“ enthüllte, auf Basis eines zum Teil abgeschriebenen Werkes 2004 ins Amt eines ordentlichen Professors an die Belgrader Universität berufen worden sein. Ein Gerichtsverfahren in dieser Frage läuft bereits seit 2010.
Angesichts der zahlreichen Vorwürfe stellte die Tageszeitung „Politika“ am Montag die Frage: „Warum benötigen Politiker Doktorarbeiten ?“, um zum Schluss zu kommen, dass jede Partei zeigen wolle, dass sie Spitzenexperten besitze. Die Doktortitelträger wollten sich dadurch von „einfachen Politiker“ abheben, so das Blatt. Alleine 2012 haben in Serbien 770 Personen promoviert, stellte die Tageszeitung fest. Im Gegensatz dazu hatte es 1965, das als Boomjahr galt, im früheren Jugoslawien mit 20 Millionen Einwohnern landesweit 622 Promotionen gegeben.
Vor zwei Jahren hatten serbische Medien auch ausführlich über die Rechtmäßigkeit des Magister-Titels des neu gewählten Staatschefs Tomislav Nikolic spekuliert. Sein Studium wurde nie genauer untersucht.
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