Irak könnte „Extremistenoase“ mit überregionaler Sprengkraft werden

Teheran (APA) - Die irakische Armee stößt im Kampf gegen die sunnitischen ISIS-Extremisten offenbar immer mehr an ihre Grenzen. Informierte ...

Teheran (APA) - Die irakische Armee stößt im Kampf gegen die sunnitischen ISIS-Extremisten offenbar immer mehr an ihre Grenzen. Informierte Kreise berichten daher von einem intensiven Austausch zwischen der irakischen Armee- und Regierungsführung mit den politischen Zentralen im Iran und in Syrien. Ziel ist, rasche Hilfe zu avisieren, damit der Irak nicht zur „Extremistenoase“ mit überregionaler Sprengkraft wird.

„Die irakische Armee ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Es ist eins vor Mitternacht. Die Soldaten sind zu einem gewaltigen Teil nicht mehr motiviert oder zu wenig auf intensive Bodenkämpfe spezialisiert. Zudem fehlt es an technischem Gerät und an den notwendigen systematischen Strukturen“, so ein irakischer Militäroffizier im Gespräch mit der APA.

Daher sei es mehr als notwendig, dass die Armee noch viel mehr und schnellere Hilfe aus Damaskus und Teheran bekomme. Die beiden Länder haben ihre Unterstützung bereits zugesagt und sind auch schon in die Kämpfe im Irak involviert. Die syrische Luftwaffe hat in der vergangenen Woche über dem Irak Angriffe auf sunnitische Rebellen geflogen. Die Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarden sollen seit Wochen in und um Bagdad mithelfen, um den Ambitionen der radikal-sunnitischen, jihadistischen Gruppierung „Islamischer Staat im Irak und in der Levante“ (ISIS/ISIL) Einhalt zu gebieten. Diese Waffenbrüderschaft der besonderen Art soll nun noch mehr intensiviert werden.

Der syrische Präsident Bashar al-Assad und der Oberste Geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, haben bereits zugesagt, dass sie ihren Brüdern im Irak helfen werden. Ein erster Schritt ist die Absicherung Bagdads, die mit 15.000 Elitetruppen vollzogen wurde. Als nächstes soll die Luftwaffe wiederaufgebaut werden. Die irakischen Streitkräfte erhielten nach eigenen Angaben eine erste Lieferung von fünf gebrauchten russischen Kampfflugzeugen. Die Jets des Typs Suchoi Su-25 seien bald einsatzbereit, teilte das Verteidigungsministerium in Bagdad mit. Die Flugzeuge sind besonders für Bodenangriffe ausgelegt. Dennoch mangelt es an Piloten für die Maschinen. Das irakische Militär wartet zudem noch auf eine bereits zugesagte Lieferung von F-16-Kampfflugzeugen und Apache-Kampfhubschraubern aus den USA.

Denn die ISIS, die am Wochenende ein Kalifat ausgerufen hatte, hat große territoriale Ambitionen. Das von den Jihadisten zunächst geplante Kalifat soll sich laut dem Jihadismus-Experten Rüdiger Lohlker geografisch von der syrisch-libanesischen Mittelmeerküste im Westen über Teile des Irak im Norden bis hin zu Kuwait und dessen Zugang zum Persischen Golf im Südosten erstrecken. Offen sei den bisher von ISIS publizierten Karten zufolge noch, in wie weit sich das Kalifat in den Südwesten erstrecken solle: Die zu Großsyrien (Bilad ash-Sham) zählenden Territorien in Israel, den palästinensischen Gebieten sowie in Jordanien - inklusive dem Zugang zum Roten Meer - und Teile der Arabischen Halbinsel finden sich auf einigen Karten wieder. Wie die Grenze in diese Richtung in den Augen der Jihadisten verlaufen soll, sei „noch unklar“, so Lohlker, Islamwissenschafter an der Universität Wien.

Die Ausrufung des Kalifats zeige den „globalen Horizont“ der Jihadisten „deutlich“, so Lohlker. Rufe man ein Kalifat aus, erhebe man nicht nur den Anspruch, über alle Muslime weltweit zu herrschen - sondern perspektivisch über die gesamte Welt, erklärte er.

An Selbstvertrauen scheint es der ISIS jedenfalls nicht zu mangeln: „Immer wieder werden wir gefragt, warum die ISIS-Kämpfer erfolgreich sind, obwohl unsere Armee zahlenmäßig weit überlegen ist. Es sind die uneingeschränkte Brutalität und die Metzeltechnik, mit der sie vorpreschen. Darüber hinaus haben sie nichts zu verlieren. Das eigene Leben für den Kampf zu geben betrachten sie als Geschenk und sind viel motivierter als unsere Soldaten“, ergänzte der irakische Offizier.

(Grafik 0786, Format 134 x 100 mm)