Preise für Roaming sinken vorerst zum letzten Mal
Die Aufschläge für die Handynutzung im Ausland fallen weiter, ab Mitte Dezember 2015 sollen die Roaming-Kosten endgültig Geschichte sein.
Brüssel, Wien – Ab heute wird die Handynutzung im EU-Ausland erneut billiger. Zum vorerst letzten Mal ordnete die EU-Kommission an, die Preisobergrenze für die Roaming-Aufschläge weiter abzusenken. Telefonate im EU-Ausland dürfen nun maximal 19 Cent pro Minute kosten, damit fallen die Preise von derzeit 24 Cent um 21 Prozent. Für eingehende Anrufe im Urlaub müssen die Konsumenten nur noch fünf statt bisher sieben Cent bezahlen. Auch für den SMS-Versand sinkt der Preis von derzeit acht Cent um 25 Prozent auf nun sechs Cent. Am stärksten werden die Preisaufschläge für den mobilen Datenverkehr gekappt, das Abrufen von Mails und Online-Kartendiensten oder die Nutzung von sozialen Netzwerken kostet ab sofort in anderen EU-Staaten um mehr als die Hälfte weniger als bisher. Für das Herunterladen von Daten dürfen die Mobilfunker künftig nur noch 20 Cent pro Megabyte verlangen, bislang waren es maximal 45 Cent.
DAS ÄNDERT SICH
Ab 1. Juli:
Telefonate im EU-Ausland: kosten maximal 19 Cent je Minute.
Eingehende Anrufe im Ausland: Preise sinken auf maximal fünf Cent pro Minute.
SMS-Versand: maximal sechs Cent pro Textnachricht. Eingehende SMS: kostenlos.
Datenverkehr: nicht mehr als 20 Cent pro Megabyte.
Ab 15. Dezember 2015 sollen die Preisaufschläge abgeschafft sein.
Die Roaming-Preise in der EU sind seit 2007 um bis zu 90 Prozent gefallen, erklärte die für die „Digitale Agenda“ zuständige EU-Kommissarin Nellie Kroes gestern in Brüssel. Sie hoffe, dass bis Jahresende eine Einigung über die vollständige Abschaffung der Roaming-Aufschläge erzielt wird: „Die Frage ist, warum sollten wir überhaupt auf einem Binnenmarkt Roaming-Aufschläge bezahlen?“
Das bevorstehende Ende der Roaming-Gebühren geht auf eine Initiative des österreichischen EU-Abgeordneten Paul Rübig (ÖVP) zurück, der bereits 2004 die Telefonrechnung einer Linzer Studentin mit extrem hohen Kosten für Telefonate während ihres Studienaufenthaltes in Brüssel der damaligen Kommissarin Viviane Reding gezeigt hatte.
Die Abschaffung der Preisaufschläge für die Handynutzung in den EU-Staaten ist Teil eines umfangreichen Gesetzespakets zur Neuordnung des europäischen Telekommunikationsmarktes. Das EU-Parlament hatte dem Paket bereits im April dieses Jahres zugestimmt. Darin enthalten ist auch die Klausel über die Netzneutralität, das bedeutet, dass Internetanbieter alle Daten gleich schnell transportieren. Jetzt müssen nur noch die EU-Staaten zustimmen. Im Rat herrscht dahingehend nicht klare Einigkeit.
Vertreter der großen europäischen Mobilfunkbetreiber hatten schon seit Monaten in Brüssel lobbyiert, um das EU-Vorhaben zu bekämpfen. Für die Branche sind die Roaming-Gebühren ein gutes Zusatzgeschäft, mit der endgültigen Abschaffung drohen die Mobilfunker mindestens ein Viertel ihrer Umsätze zu verlieren. (APA, bea)
Kommentare