Subtile Momente der Verstörung
Die Frage „Why 7 Ate 9“ beantworten fünf Fotografen in der Galerie der Stadt Schwaz.
Von Edith Schlocker
Schwaz –Bereits der sprachspielerische Titel „Why 7 Ate 9“ lässt erahnen, dass es in dieser Schau um sehr viel mehr als um das Abbilden der Wirklichkeit geht. Sondern um Momente der Verstörung, die durch neue Sichtweisen auf die Welt provoziert werden, um Überraschendes im scheinbar Normalen, um vieldeutig Hintergründiges. Die in den vergangenen Jahren durch ihre eigenwilligen performativen Dokumentationen in Erscheinung getretene Filmemacherin Loretta Fahrenholz hat als Kuratorin der Schwazer Schau fünf Fotografen aufgefordert zu untersuchen, was Streetfotografie heute sein kann.
Das Ergebnis sind an sich unspektakuläre Bilder, in denen aber viel Gesellschafts- und besonders Kapitalismuskritik verpackt ist. In unterschwelliger Poesie von Stefanie Pretnar, die mit ihrer Kamera in Frankfurt unterwegs war. Die Sterne der Europäischen Zentralbank blinken da durch Baumkronen, verdämmern im Sfumato der Stadt, werden trotz ihrer Symbolkraft zum dekorativen Accessoire. Die ganz „normalen“ Menschen, die Leo Kaufmann in New York und London zwischen Wolkenkratzern und vor teilweise heruntergelassenen Jalousien fotografiert hat, treten dagegen fast skulptural in den Bildraum.
Das Aufeinanderprallen der Kulturen im sich radikal wandelnden Berliner Kiez Neukölln ist das Thema von Klaus Kamptner – die Apartheid, die weniger mit der Hautfarbe als der sozialen Verfasstheit in Südafrika genauso wie in Berlin zu tun hat, hat Sabelo Mlangeni in ästhetische Schwarz-Weiß-Fotos gepackt. Die mehr oder weniger spektakulären Bilder, die der Amerikaner Gabriel Angemi bei seinen Einsätzen als Feuerwehrmann „schießt“, veröffentlicht er prinzipiell nur im virtuellen Netz. Für die Schwazer Schau macht er aber eine Ausnahme.
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