Raiffeisen-Analysten setzten auf Aktien
Wien (APA) - Die Analysten der Raiffeisenbank International (RBI) sehen für die Eurozone eine etwas schwächere Wirtschaftsentwicklung als zu...
Wien (APA) - Die Analysten der Raiffeisenbank International (RBI) sehen für die Eurozone eine etwas schwächere Wirtschaftsentwicklung als zuletzt, aber keine Deflation. Die Niedrigzinsphase dürfte bis Ende 2015 anhalten. Aktien sollten sich weiter gut entwickeln, sie werden in der Anlagestrategie für das dritte Quartal 2014 moderat übergewichtet.
In der Eurozone sei das Wachstum in den ersten drei Monaten auf Quartalsbasis mit 0,2 Prozent hinter den Erwartungen geblieben, so Peter Brezinschek, Leiter von Raiffeisen Research bei der Raiffeisen Bank International (RBI) heute, Montag, in einer Pressekonferenz. Deutschland sei allein auf weiter Flur, Frankreich und Italien erwiesen sich als Bremsklötze. In Ländern der Kerneurozone gehe es oft nicht besser als in der Peripherie. Die Prognose für das BIP-Wachstum für 2014 werde von 1,5 auf 1,2 Prozent zurückgenommen. Für das zweite Halbjahr werde aber weiterhin eine leichte Beschleunigung gesehen. In Richtung Auswirkungen der EZB-Politik könnte es zu einer Glättung des Konjunkturzyklus in Richtung 2016, 2017 kommen und nicht zu einem abermaligen Abflauen der Konjunktur.
Die Inflationsraten seien derzeit sehr niedrig. Gründe dafür seien unter anderem die Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit in den Peripherieländern und auch die Euro-Stärke, die für eine um rund 0,5 Prozentpunkte niedrigere Inflation verantwortlich sei. Für 2014 wird von den Raiffeisen-Experten ein Verbraucherpreisanstieg von 0,8 Prozent und für 2015 von 1,3 Prozent erwartet. Das sei zwar unter den Zielen der Europäischen Zentralbank, aber von Deflation sieht Brezinschek im Durchschnitt der Eurozone „keine Spur“.
In den USA habe die Inflation die 2-Prozent-Marke bereits überschritten. Gemeinsam mit der guten Entwicklung am US-Arbeitsmarkt - die Arbeitslosenrate sollte bis Mitte 2015 auf 5,7 Prozent sinken - könnte dies früher zu einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed führen. Es sei davon auszugehen, dass der Leitzins (Federal Funds Target Rate) ab März/April kommenden Jahres schrittweise nach oben gehen werde.
Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sollte das aktuelle Zinsniveau noch bis Ende 2015 bestehen bleiben. Im Gegensatz zur Fed und dem geplanten Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik habe die EZB zuletzt zusätzliche expansive Maßnahmen beschlossen. Im Herbst könnte noch ein Kaufprogramm für Asset Backed Securities (ABS) folgen. Für den Euro-Dollar-Kurs rechnen die Raiffeisen-Experten Ende dieses Jahres mit 1,30.
Bei der Anlagestrategie setzen die Raiffeisen-Experten auf ein moderates Übergewichten der Aktien mit Schwerpunkt Europa, Emerging Markets und Japan. In den vergangenen Wochen hätten Aktien wieder besser performed, dies werde weitergehen, so Veronika Lammer, Leiterin der Abteilung Quant Research und Emerging Markets bei Raiffeisen Research. Das Ertragspotenzial werde für die nächsten fünf Jahre mit 5 Prozent jährlich (vor Gebühren und Steuern) erwartet. Japan sei sehr volatil, aber es stehe eine gute Phase bevor. In Europa wiesen auch die Unternehmensgewinne Aufholpotenzial auf.
In den Emerging Markets würden in China die Reformbestrebungen langsam Früchte tragen. Hoffnung bestehe in Indien mit der neuen Regierung auf strukturelle Reformen, in Brasilien auf eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik nach der Präsidentschaftswahl im Herbst. In Russland habe es eine starke Rubel-Abwertung gegeben, die eine Gegenbewegung rechtfertige, so Brezinschek. Der Ölpreis werde sich relativ konstant in Richtung 120 Dollar je Fass bewegen. Man sei noch tendenziell vorsichtig.
In der Asset Allocation für das dritte Quartal werden Aktien mit 53 Prozent gewichtet. Davon entfällt der größte Teil auf Europa (31,1 Prozent), gefolgt von den USA (28,3 Prozent), Emerging Markets (18,9 Prozent), Asien (14,2 Prozent) und Osteuropa (7,5 Prozent). Anleihen werden mit 35 Prozent gewichtet, davon je 26,2 Prozent Staatsanleihen der Eurozone und der USA. Der Rest entfällt auf Geldmarkt/Floater (7 Prozent) und Alternative Investments/Immobilien (5 Prozent).
~ ISIN AT0000606306 WEB http://www.rbinternational.com/ ~ APA277 2014-06-30/13:05
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