Irak - Armee attackiert ISIS - Obama warnt vor „Jihad-Touristen“

Bagdad (APA/dpa) - Nach der Ausrufung eines Kalifats durch ISIS hat die irakische Armee ihre Angriffe auf die Terrorgruppe auch am Montag fo...

Bagdad (APA/dpa) - Nach der Ausrufung eines Kalifats durch ISIS hat die irakische Armee ihre Angriffe auf die Terrorgruppe auch am Montag fortgesetzt. Noch am Sonntagabend sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu Jordanien und den kurdischen Truppen Unterstützung im Kampf zu und vor europäischen Jihadisten, die als Touristen in die USA reisten, warnte der US-amerikanische Präsident Barack Obama.

Die Armee hatte am Samstag eine Offensive gegen die ISIS-Milizen begonnen. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen die seit 11. Juni von den Jihadisten kontrollierte Stadt Tikrit, 170 Kilometer nordwestlich von Bagdad. Tikrit ist strategisch wichtig, da die Stadt an einer Hauptverbindungslinie zwischen dem Norden des Landes und Bagdad liegt.

Ein Offizier sagte der Nachrichtenagentur dpa, Regierungseinheiten hätten am Sonntagabend große Teile Tikrits zurückerobert. Die Soldaten seien sehr nahe an das Gebäude des Provinzrates und andere Regierungseinrichtungen herangerückt. Die Armee wehrte zudem nach eigenen Angaben am Montag in der Früh ISIS-Angriffe auf den Luftwaffenstützpunkt „Camp Speicher“ zwischen Baiji und Tikrit ab. Die Angaben ließen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Kampfhubschrauber der irakischen Armee attackierten laut irakischen Medien ebenfalls am Montag den Ort Baiji. Dem Nachrichtenportal „Shafaaq News“ zufolge starben dabei sechs Zivilisten, darunter Frauen und Kinder.

Die radikal-sunnitische, extremistische Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und in der Levante“ (ISIS/ISIL) hatte am Samstag in den von ihr eroberten Provinzen des Irak und Syriens ein „Islamisches Kalifat“ ausgerufen. In einer Audiobotschaft wurde ISIS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen bestimmt. Die Veröffentlichung steht für eine nahezu perfekte Propagandamaschine der Terrorgruppe: Die Botschaft wurde beinahe zeitgleich auf Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch veröffentlicht.

In der Audiobotschaft hieß es, alle Muslime müssten dem neuen Kalifen Gefolgschaft schwören. Ein Kalifat ist ein auf islamischen Gesetzen basierendes Staatswesen, in dem die weltliche und religiöse Führung in einer Hand liegen. Laut der Erklärung verkürzte die Terrorgruppe ihren offiziellen Namen zudem auf „Islamischer Staat“.

Die sunnitische Miliz beherrscht einige Regionen im Bürgerkriegsland Syrien und ist seit Anfang Juni auch im Irak auf dem Vormarsch. Dort hat sie im Norden und Westen des Landes weite Teile eingenommen. Mit der Ausrufung eines Kalifats nimmt die Gruppe Bezug auf die islamischen Reiche in der Nachfolge des Propheten Mohammed. Das letzte Kalifat hatte die türkische Regierung 1924 nach dem Ende des Osmanischen Reiches abgeschafft.

US-Präsident Obama warnte unterdessen vor „Jihad-Touristen“. Europäer, die zum Kämpfen in die Region reisten, könnten auch eine Gefahr für die Sicherheit Amerikas darstellen. Die Jihadisten sammelten in Syrien und nun im Irak Kampferfahrung, sagte er am Sonntag im Fernsehsender ABC-News. „Dann kommen sie zurück. Sie haben europäische Pässe. Sie brauchen kein Visum, um in die Vereinigten Staaten einzureisen.“

Es sei daher wichtig, dass die USA ihre Geheimdienst- und Überwachungsaktivität in der Region ausbauten. Spezialkommandos spielten eine große Rolle. „Und es wird Schläge gegen Organisationen geben, die uns gefährden könnten“, sagte Obama.

Der israelische Regierungschef Netanyahu sagte am Sonntagabend Unterstützung seines Landes für die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im Irak und für den Kampf Jordaniens gegen „islamischen Extremismus“ zu. „Wir müssen die Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft fördern, Jordanien zu stärken, und wir unterstützen das Streben der Kurden nach Unabhängigkeit“, sagte er vor einer Expertenrunde des Instituts für Studien zur Nationalen Sicherheit in Tel Aviv.

Unterdessen hieß es, dass der vermeintlich von ISIS-Kämpfern entführte und getötete hochrangige irakische Richter Rauf Abdul Rahman wohlauf sei. Meldungen über seine Hinrichtung seien Gerüchte, zitierte die kurdische Nachrichtenseite „Rudaw“ einen Sprecher des kurdischen Justizministeriums am Wochenende. Nach Angaben von Familienangehörigen Rahmans sei er wohlauf, trotz versuchter Attentate.

(Grafik 0786, Format 134 x 100 mm)