ISIS und ihr „unsichtbarer Scheich“ Abu Bakr al-Baghdadi
Bagdad (APA/AFP/dpa) - Details über die Biografie des selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi sind mit Vorsicht zu behandeln. Sie lass...
Bagdad (APA/AFP/dpa) - Details über die Biografie des selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi sind mit Vorsicht zu behandeln. Sie lassen sich häufig nicht verifizieren. Wie er heute aussieht, ist unbekannt, da es nur zwei Fotos von ihm gibt. Meist sprechen andere für ihn, wie jetzt auch in der neuen Audiobotschaft. Er verberge sogar vor seinen Kämpfern sein Gesicht, weshalb man ihn „den unsichtbare Scheich“ nennt.
Abu Bakr al-Baghdadi befehligt ein Heer von Gotteskriegern. Seine ISIS-Miliz brachte Teile des Iraks und Syriens unter ihre Kontrolle und beansprucht nun die Herrschaft über die eroberten Gebiete. Über den jüngst zum „Kalifen“ ausgerufenen Mann, der inzwischen auch dem Al-Kaida-Anführer Aiman al-Zawahiri den Rang abläuft, ist allerdings wenig bekannt.
„Kalif Ibrahim“, wie er sich jetzt nennen lässt, wurde nach US-Informationen 1971 in Samarra nördlich von Bagdad geboren. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien.
Er schloss sich den US-Informationen zufolge kurz nach der US-geführten Invasion im Irak 2003 den Extremisten an und befand sich zwischenzeitlich in einem US-Militärgefängnis in Haft. Im Herbst 2005 glaubte die US-Armee, Baghdadi bei einem Angriff im irakisch-syrischen Grenzgebiet getötet zu haben - ein Irrtum, wie sich später herausstellte. 2010 übernahm Baghdadi die Führung der Gruppierung Islamischer Staat im Irak, einer Abspaltung des Terrornetzwerks Al-Kaida, nachdem seine beiden Vorgänger getötet worden waren.
Seitdem verliert sich Baghdadis Spur. Im Oktober 2011 stufte ihn die US-Regierung als „Terroristen“ ein. Die irakische Regierung veröffentlichte Anfang des Jahres das erste offizielle Foto des heutigen Chefs der radikal-sunnitischen, extremistischen Gruppierung „Islamischer Staat im Irak und in der Levante“ (ISIS/ISIL). Auf dem Schwarz-Weiß-Bild ist ein bärtiger Mann mit Halbglatze zu sehen, der einen Anzug samt Krawatte trägt.
Heute ist Baghdadi einer der meist gesuchten Terroristen der Welt und steht auch auf Washingtons Fahndungsliste. Abu Dua, wie er auch genannt wird, soll für mehrere Terroranschläge im Irak verantwortlich sein. Die US-Regierung setzte ein Kopfgeld in Höhe von 10 Millionen US-Dollar (7,34 Mio. Euro) auf den Terroristen aus.
Wo sich der Anführer der Jihadisten versteckt, ist nicht bekannt. Die USA vermuteten ihn im vergangenen Jahr in Syrien. Im Mai erklärte ein irakischer General, Baghdadi halte sich vermutlich im Irak auf. Andere offizielle Quellen wiesen dies jedoch zurück.
Innerhalb der ISIS verschaffte sich Baghdadi im Kampf als Kommandant und gewiefter Taktiker Ansehen. Er warb zahlreiche ausländische Jihadisten an. Schätzungen gehen von tausenden Kämpfern aus, auch Europäer schlossen sich den Jihadisten an.
Baghdadis extremistische Gruppierung war durch die Anti-Terror-Einsätze der US-Armee und die Abkehr sunnitischer Stämme von den Jihadisten zwischenzeitlich geschwächt worden, erholte sich aber wieder und weitete ihr Einflussgebiet 2013 auf Syrien aus. Im April 2013 gab Baghdadi die Fusion von ISI und der Al-Nusra-Front zur Gruppierung „Islamischer Staat im Irak und in der Levante“ bekannt. Doch die Al-Nusra-Front lehnte dann den Zusammenschluss ab. Beide Gruppen treten in Syrien heute neben- und gegeneinander an.
Baghdadi wird inzwischen als mächtiger eingeschätzt als Al-Kaida-Chef al-Zawahiri. Die spärlichen Informationen über sein Leben scheinen dem Personenkult um den „Kalifen“ nicht zu schaden. Im Internet kursieren mit religiöser Musik unterlegte Videos, die seine Verdienste preisen.
Baghdadi scheint nach den militärischen Erfolgen seiner Miliz auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt zu sein: Am Sonntag verkündete ISIS die Schaffung des „Kalifats“, das sich von der Region Aleppo im Norden Syriens bis zur Gebiet von Diyala im Osten des Irak erstreckt. Baghdadi wurde zum „Kalifen“ und damit zum „Anführer aller Muslime“ ernannt.
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