Weiterer rechtsextremer Abgeordneter in Griechenland in U-Haft
Athen (APA/AFP) - In Griechenland ist ein weiterer Abgeordneter der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte am Montag wegen „Mitgliedschaft...
Athen (APA/AFP) - In Griechenland ist ein weiterer Abgeordneter der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte am Montag wegen „Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation“ in Untersuchungshaft genommen worden. Wie von Gerichtsseite verlautete, handelt es sich um Artemis Matthaiopoulos, den Freund der Tochter des Parteichefs Nikos Michaloliakos.
Damit wird nun gegen alle 16 Abgeordneten oder Ex-Abgeordneten der Partei Chrysi Avgi ermittelt. Acht von ihnen sitzen in U-Haft, darunter Michaloliakos seit September 2013, die übrigen acht unterliegen einer richterlichen Überprüfung.
Michaloliakos‘ Frau Eleni Zaroulia, die bis Jänner dem Europarat angehörte, steht seit Mittwoch wegen „Leitung einer kriminellen Organisation“ zusammen mit ihrem Mann unter Hausarrest. Andere Parteimitglieder befinden sich gegen Zahlung einer Kaution auf freiem Fuß. Die Gerichtsverfahren werden nicht vor 2015 erwartet.
Am Wochenende veröffentlichte die linksgerichtete Zeitung „Efimerida ton syntakton“ einen Artikel des bekannten Journalisten Dimitris Psarras, der anhand zahlreicher Fotos nachweist, wie führende Mitglieder der Chrysi Avgi mit Hitler-Gruß salutieren oder dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess die Ehre erweisen.
Nach der Ermordung des antifaschistischen Rappers Pavlos Fyssas im September vergangenen Jahres durch ein Parteimitglied hatte es die ersten Festnahmen von Chrysi-Avgi-Abgeordneten gegeben.
Bei der Europawahl Ende Mai war Chrysi Avgi zur drittstärksten politischen Kraft in Griechenland nach der Linksallianz SYRIZA und der rechtskonservativen Nea Dimokratia aufgerückt. Die Neonazi-Partei erhielt 9,3 Prozent der Stimmen und hat damit Anrecht auf drei Sitze im neuen Europaparlament.
Die Goldene Morgenröte wurde in den 1980er Jahren von Michaloliakos gegründet, der aus seiner Bewunderung für Adolf Hitler keinen Hehl macht. 2012 leugnete er die Verantwortung der Nazis für den Mord an sechs Millionen europäischen Juden.