Schocknachricht in Raten: Israelische Teenager ermordet

Jerusalem/Ramallah (APA/AFP) - Die schockierende Nachricht vom Tod der drei seit 18 Tagen vermissten israelischen Jugendlichen deutete sich ...

Jerusalem/Ramallah (APA/AFP) - Die schockierende Nachricht vom Tod der drei seit 18 Tagen vermissten israelischen Jugendlichen deutete sich schrittweise an. Die Onlineauftritte der israelischen Medien machten Andeutungen und verwiesen auf eine strikte Nachrichtensperre. Erst als die Familien der drei jüngsten Zufallsopfer des Nahostkonflikts informiert waren, gab die Armee über Twitter bekannt, dass die Teenager tot sind.

Zunächst wurden Zusammenstöße zwischen den Einwohnern der palästinensischen Ortschaft Halhul und der israelischen Armee gemeldet. Diese schwärmte in Hundertschaften in dem Dorf nördlich von Hebron aus, der größten Stadt im besetzten Westjordanland. Zahlreiche Militärhubschrauber überflogen die Region. Als dann eine abendliche Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts angekündigt wurde, war klar, dass die Armee eine Spur von den drei Talmudschülern gefunden hatte.

. Gefunden wurden die Leichen der drei 16 und 19 Jahre alten Jugendlichen zwischen Halhul und der Siedlung Karmei Zur. Der Fundort in einer unwegsamen Gegend liegt nur rund fünf Kilometer von der Stelle entfernt, an der die drei Opfer am 12. Juni arglos auf eine Mitfahrgelegenheit warteten, um nach der Unterrichtswoche in drei Religionsschulen jüdischer Siedlungen das Wochenende bei ihren Familien zu verbringen. Um die Todesursache zu klären wurden forensische Untersuchungen eingeleitet.

Lange hatte sich die Suche ohne heiße Spur in den von Höhlen und Bunkern durchzogenen Ortschaften um Hebron im Kreis gedreht. Und das, obwohl bei dem größten Militäreinsatz im Westjordanland seit Jahren 2200 Häuser durchsucht und 420 Palästinenser festgenommen wurden, darunter 305 Hamas-Mitglieder. Viele dieser Repressionsmaßnahmen galten vorrangig der Schwächung der Hamas.

Trotz der Erfolglosigkeit der Suche blieb die Hoffnung, dass die Kidnapper verhandeln würden, um Gefangene freizupressen. Oder dass interner Druck sie zum Einlenken bewegen würde. Denn es blieb unklar, ob die Hamasführung in die Pläne eingeweiht war und sie guthieß. Diese war nach dem Sturz der mit ihr verbündeten Muslimbrüder in Ägypten eher darum bemüht, ihre internationale Ächtung zu mindern.

Zwischen alle Fronten geriet Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, als er die Entführungen verurteilte und die Unterstützung der Autonomiebehörde und ihrer Sicherheitskräfte bei der Suche nach den Teenagern anordnete. Während ihm dies beim israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu nur dürre Worte einbrachte, kostete es Abbas auf den palästinensischen Straßen viel Sympathie, weil die Bevölkerung unter dem Ermittlungsdruck Israels stark leiden musste; fünf Menschen wurden bei Razzien erschossen.

Der tödliche Ausgang des Entführungsdramas lässt keine Hoffnung für eine Entspannung der Lage: „Sie wurden entführt und kaltblütig ermordet von Tieren in Menschengestalt“, sagte Netanyahu in einer ersten Reaktion. „Hamas ist verantwortlich und Hamas wird dafür bezahlen.“ Vize-Verteidigungsminister Danni Danon kündigte seinerseits an, nun werde die Hamas „ausradiert“. Die internationale Gemeinschaft rief er auf, alle Verbindungen zur Palästinenserführung abzubrechen, solange diese die am 2. Juni gebildete Konsensregierung mit der Hamas fortsetzt.

Tiefe Erschütterung kam in den Stellungnahmen des gemäßigten Lagers in Israel zum Ausdruck. Präsident Shimon Peres, Oppositionsführer Yitzhak Herzog und die Organisationen des pazifistischen Spektrums äußerten ihre Betroffenheit und forderten die Ergreifung und harte Bestrafung der Täter. Die deutsche Botschaft sagte ihrerseits das von ihr veranstaltete Public Viewing des Achtelfinalspiels der Fußballweltmeisterschaft Deutschland gegen Algerien am Strand von Tel Aviv ab.