Israel - Keine Entscheidung über harte Maßnahmen nach Leichenfunden

Jerusalem/Ramallah (APA/dpa/AFP) - Das israelische Sicherheitskabinett hat nach Medienangaben keine unmittelbare Entscheidung über harte Maß...

Jerusalem/Ramallah (APA/dpa/AFP) - Das israelische Sicherheitskabinett hat nach Medienangaben keine unmittelbare Entscheidung über harte Maßnahmen nach dem Fund der Leichen von drei vermissten israelischen Jugendlichen im Westjordanland getroffen. Das Gremium werde am Dienstag nach der Beerdigung erneut zusammentreten, sagte ein hoher israelischer Beamter nach Angaben der Zeitung „Haaretz“ in der Nacht auf Dienstag.

Israel hatte der radikalislamischen Hamas eine harte Reaktion angedroht. Die Leichen wurden zweieinhalb Wochen nach ihrem Verschwinden unter einem Steinhaufen auf einem Feld nordwestlich von Hebron gefunden, wie die Armee bestätigte. Die Tat sorgte weltweit für Entsetzen.

Präsident Mahmoud Abbas berief nach dem Fund der Leichen eine Dringlichkeitssitzung der Palästinenserführung für Dienstag ein. Dabei solle es um die Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen gehen, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur „Wafa“ am Montag.

Die Hamas beschuldigte ihrerseits Israel, den Tod der drei Jugendlichen für weitere Militäraktionen gegen die Palästinenser zu benutzen. „Wir weisen alle israelische Unterstellungen und Drohungen gegen uns zurück“, hieß es in einer Erklärung der Hamas. Keine palästinensische Gruppe - auch nicht die Hamas - habe sich zu der Aktion bekannt.

Die Jugendlichen wurden offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen. Ihre Leichen wurden nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort gefunden, an dem sie zuletzt gesehen worden waren.

Rechtsorientierte israelische Abgeordnete forderten ein hartes Vorgehen gegen Hamas. „Dieses tragische Ende muss auch das Ende der Hamas sein“, sagte Danny Danon von der Regierungspartei Likud. Er forderte eine Militäroperation und einen „tödlichen Schlag“ gegen die Hamas. Auch Parlamentspräsident Juli Edelstein (Likud) sagte: „Israel muss einen kompromisslosen Krieg gegen den Terror im Allgemeinen und speziell gegen die Hamas führen.“ Wirtschaftsminister Naftali Bennett sagte: „Es gibt keine Gnade für Kindermörder.“ Der Vorsitzende der Siedlerpartei sagte zudem: „Dies ist eine Zeit für Taten, nicht für Worte.“

Netanjahu hatte kurz vor Bekanntgabe des Leichenfunds eine Krisensitzung seines Sicherheitskabinetts einberufen, um über das Schicksal der drei Jugendlichen zu sprechen. Laut dem Rundfunk wurde erwartet, dass die Minister „operative“ Entscheidungen treffen würden. In einer ersten Reaktion sagte Netanyahu: „Sie wurden entführt und kaltblütig ermordet von Tieren in Menschengestalt“. „Hamas ist verantwortlich und Hamas wird dafür bezahlen.“

Der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der noch am Mittag in Berlin mit seinem israelischen Kollegen Avidgor Lieberman über die Jugendlichen gesprochen hatte, äußerte sich „zutiefst erschüttert“. „Wir hoffen, dass trotz des unendlichen Schmerzes über den Verlust dieser drei jungen Menschen das Streben nach Frieden das Handeln in den kommenden Tagen bestimmt.“

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zeigte sich „persönlich zutiefst schockiert“. Er hoffe, dass die Entführer und Mörder der Buben nun bald gefasst und ihrer Strafe zugeführt werden.

Während der großangelegten Militäraktion zur Suche nach den Jugendlichen waren fünf Palästinenser getötet worden. Der Militäreinsatz stieß nicht nur bei der Palästinenserführung, sondern auch bei den Vereinten Nationen auf Kritik.

Abbas‘ Fatah-Bewegung hatte sich Anfang Juni mit der Hamas auf die Bildung einer Einheitsregierung geeinigt. Kritiker werfen Israel vor, das Verschwinden der Jugendlichen als Vorwand zu nutzen, um die Strukturen der Hamas im von Israel besetzten Westjordanland zu schwächen.

Auch im Gazastreifen eskaliert die Gewalt. Israel und militante Palästinenser liefern sich dort einen immer heftigeren Schlagabtausch. Militante Palästinenser feuerten am Montag knapp 20 Kleinraketen auf Israel ab.