Österreich-Rundfahrt

Tirols Radfahrer legten die Demut vergangener Jahre ab

Am Sonntag rollt in Tulln die Österreich-Radrundfahrt an. Tirols Beitrag, das Cycling Team, gilt dabei erstmals nicht nur als Außenseiter.

Von Florian Madl

Innsbruck – So manches erscheint vor dem Start der heurigen Österreich-Rundfahrt unüblich. Etwa die Begeisterung vom Startort Tulln, der in der 66-jährigen Tour-Geschichte noch nie zur Strecke gehörte. Oder jene von Bad Ischl, das letztmals 1954 die Fahrer beherbergte. Tirol stellt mit Kitzbühel (Horn) und Matrei/Osttirol zwei Fixpunkte, daneben mit dem Cycling Team. Die junge Mannschaft von Teammanager Thomas Pupp entwuchs in den vergangenen Jahren den Kinderschuhen, aus einem ambitionierten Nachwuchsteam avancierte ein ernst zu nehmender Mitbieter am Jahrmarkt sportlicher Leistungen. Nur das Understatement blieb dasselbe: „Die Stars dieser Rundfahrt sind andere, auch wenn wir nicht zu unterschätzen sind“, spielt Manager Pupp auf Ex-Weltmeister Thor Hushovd und Italiens Altstar Ivan Basso an.

Niemand will in Ehrfurcht erstarren

In Ehrfurcht erstarren will man jedenfalls nicht, der Innsbrucker Sprintspezialist Martin Weiss etwa kann auf gute Saisonresultate bauen. Und dennoch schwingt in seiner Voraussicht auf den Saisonhöhepunkt etwas Ehrfurcht mit: „Das Rennen machen müssen die Profis – sie entscheiden, ob schnell oder langsam gefahren wird.“ Würden die nicht „auf voll fahren“, wie Weiss meint, sei jedenfalls einiges möglich.

Das glaubt auch der Zillertaler Routinier Clemens Fankhauser, heuer schon Sieger einer Rundfahrt in Irland. „Ich denke, ich werde auf eine Etappe fahren. Wenn man sich die Startliste anschaut, führt der Gesamtsieg wohl über andere.“ Einer seiner Favoriten: Riccardo Zoidl. Der Vorjahressieger aus Oberösterreich hatte gestern allerdings anderes zu tun, als mit seinen Tiroler Freunden und Trainingskollegen zu plaudern. Nach einigen Monaten in Innsbruck zieht es den 26-Jährigen zurück in den Osten, wo seine Freundin ihr Studium fortsetzt.

WM-Bewerbung erneut im Mittelpunkt

Das Beispiel Zoidl führte allerdings auch der junge Tiroler Martin Weiss an: „Riccardo ist dort, wo wir alle einmal hinwollen.“ Als Sieger der Österreich-Rundfahrt 2013 hatte es der Zeitfahrspezialist in der Folge nicht allzu schwer, als Profi im Team Trek unterzukommen.

Durch das Etappenrennen durch Österreich rückt wohl auch die Tiroler Bewerbung für eine Straßenrad-WM neuerlich in den Mittelpunkt. Die Bemühungen im Hintergrund gehen weiter, von positiven Effekten sind Tirol-Werber Josef Margreiter und Cycling-Teammanager Thomas Pupp überzeugt: „Die Kosten (ca. 12 Mio. €, Anm.) können positive Folgen auf jeden Fall aufwiegen.“ Jetzt gehe es darum, das Thema seriös zu bewerten.

66. Österreich-Radrundfahrt in Zahlen

6. Juli, 1. Etappe: Tulln – Sonntagberg 182,0 km

7. Juli, 2. Etappe:

Waidhofen/Ybbs – Bad Ischl 180,9 km

8. Juli, 3. Etappe:

Bad Ischl – Kitzbüheler Horn 206,0 km

9. Juli, 4. Etappe:

Kitzbühel – Matrei/Osttirol 171,9 km

10. Juli, 5. Etappe:

Matrei/Osttirol – St. Johann/Alpendorf 146,4 km

11. Juli, 6. Etappe:

St. Johann/Alpendorf – Villach-Dobratsch 182,4 km

12. Juli, 7. Etappe:

Podersdorf/Einzelzeitfahren 24,1 km

13. Juli, 8. Etappe:

Podersdorf – Wien (Burgtheater)122,8 km

Gesamt:

1.216,5 km, 14.635 Höhenmeter.

Tirol Cycling Team:

Clemens Fankhauser (T), Gregor Mühlberger (Nö./beide Kapitän), Patrick Bosman (T), Dominik Hrinkow (Oö.), Stefan Praxmarer, Martin Weiss (beide T), Florian Schipflinger, David Wöhrer (beide S).