Arbeitslosigkeit

Plus 12,8 Prozent: Arbeitslosigkeit auch im Juni stark gestiegen

Symbolfoto.
© TT/Thomas Böhm

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Ausländern fiel mit plus 29,1 Prozent besonders eklatant aus. Auch bei Personen über 50 Jahren schnellte die Zahl um 23,4 Prozent in die Höhe, bei Behinderten um 26,3 Prozent.

Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist weiter gestiegen: Im Juni 2014 waren 354.639 Menschen auf Jobsuche - 40.232 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 281.566 davon waren arbeitslos gemeldet, während 73.073 Schulungen absolvierten. Die nationale Arbeitslosenquote lag bei 7,4 Prozent - ein Plus von 0,9 Prozentpunkten, so das Sozialministerium am Dienstag in einer Aussendung.

Besonders eklatant fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Ausländern, Personen über 50 Jahren und Behinderten aus. Während der Gesamtanstieg 12,8 Prozent betrug, schnellte die Zahl bei Ausländern um 29,1 Prozent in die Höhe, bei älteren Arbeitssuchenden um 23,4 Prozent und bei Behinderten um 26,3 Prozent. Im Gegenzug lag der Zuwachs bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren mit 10,1 Prozent unter dem allgemeinen Durchschnitt.

Arbeitslosigkeit in Tirol um 10 % gestiegen

Den höchsten Anstieg mit Blick auf die Bundesländer hat Wien mit 21,3 Prozent zu verzeichnen - dicht gefolgt von Oberösterreich mit 20,8 Prozent. Das geringste Plus verzeichnete mit 6,8 Prozent Vorarlberg. Tirol liegt mit 10 Prozent Anstieg auf dem zweitbesten Platz, wobei hier auch mit 14,9 Prozent das größte Plus bei den Schulungsteilnehmern anfällt, die in der Statistik nicht aufscheinen. Bei einem prognostizierten Stand von 314.000 unselbständig Beschäftigten (ein Plus von 4000 Personen im Vorjahresvergleich) und 19.173 vorgemerkten Arbeitslosen beträgt die Arbeitslosenquote in Tirol nun 5,8 Prozent.

„Der Trend der Arbeitslosigkeit in Tirol weist nach wie vor nach oben, zum dritten Mal in Folge liegt Tirol jedoch unter dem Österreichdurchschnitt. Unverändert stark betroffen sind die Branchen Handel mit 17,4 %, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen mit 15,6 % und der Bau mit 22,3 % – stabil entwickelt hat sich der Bereich Herstellung von Waren und der Tourismus. Für eine arbeitsmarktpolitische Einschätzung der weiteren Entwicklung im Sommer und darüber hinaus ist es allerdings noch zu früh. Positiv zu erwähnen ist im Juni der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen. Erfreuliche Signale gibt es ebenfalls vom Stellenmarkt, erneut wurden dem AMS Tirol mehr Stellen zur Besetzung gemeldet,“ fasst AMS Tirol Chef Anton Kern die aktuellen Tiroler Daten zusammen.

78,7 Prozent mehr Langzeitarbeitslose

Bei der Trennung nach Geschlechtern sind österreichweit die Männer mit einem Anstieg um 17,3 Prozent oder 22.608 Personen auf 153.620 Arbeitslose stärker betroffen als die Frauen. Hier fiel der Zuwachs mit 15 Prozent oder 16.716 auf 127.946 Beschäftigungslose moderater aus. Die geschlechterübergreifende Zahl bei Langzeitarbeitslosen, die länger als ein Jahr auf der Suche sind, schnellte gar um 78,7 Prozent auf 11.605 Betroffene in die Höhe. Im Gegenzug stieg die Zahl der unselbstständig Beschäftigten um 0,5 Prozent auf 3,538.000 Personen.

Bei den Lehrlingen ist die Entwicklung hingegen ebenfalls negativ: So wird für Juni mit 6.389 Lehrstellensuchenden ein deutliches Plus von 46,3 Prozent oder um 2.023 Personen verzeichnet. Zugleich ging die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen um 4,3 Prozent (121 Stellen) auf 2.704 zurück - die Lücke zwischen Suchenden und freien Stellen beträgt somit 3.685.

Bei der Unterscheidung nach einzelnen Branchen wird deutlich, dass nach wie vor insbesondere der Bau schwächelt. Hier gab es ein Plus von 24,1 Prozent auf 20.384 vorgemerkte Arbeitslose. Geringer fiel da der Zuwachs bei den Zeitarbeitsfirmen (plus 17 Prozent), im Handel (plus 16,3 Prozent) und in den Gesundheitsberufen (plus 14,4 Prozent) aus. Und auch der Tourismus meldet einen Anstieg der Arbeitslosen von 11,8 Prozent.

Hundstorfer: Wachstum für benachteiligte Gruppen zu gering

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) verwies in einer Aussendung am Dienstag auf die nach wie geringste Arbeitslosenquote Österreichs in der Europäischen Union. Zugleich reiche das Wirtschaftswachstum nicht aus, vor allem auch benachteiligten Gruppen den (Wieder)einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Wir verzeichnen zwar eine leichte Belebung der Exportkonjunktur, der inländische Konsum bleibt aber weiter verhalten. Um neue Impulse für die Inlandsnachfrage zu schaffen, ist eine Senkung der Steuern auf Arbeit unbedingt notwendig“, plädierte Hundstorfer für eine baldige Steuerreform. Diese sei „unumgänglich für die Stärkung des österreichischen Arbeitsmarktes“.

Denn auch die weiteren wirtschaftlichen Aussichten würden noch keine Entspannung am Arbeitsmarkt erwarten lassen. „Ohne entsprechende Unterstützung durch die inländische Nachfrage, werden, vor allem auch angesichts des weiter steigenden Arbeitskräfteangebots, die Arbeitslosenzahlen wohl auch noch mittelfristig weiter ansteigen“, warnte Hundstorfer.