Weltenübergreifende Musikerkundungen - Klassiknews

Wien (APA) - Das niederösterreichische Ensemble Federspiel hat heuer sein zehnjähriges Bestehen mit einem Konzert im Wiener Musikverein gefe...

Wien (APA) - Das niederösterreichische Ensemble Federspiel hat heuer sein zehnjähriges Bestehen mit einem Konzert im Wiener Musikverein gefeiert. Die Aufnahme, die in neujahrskonzertverdächtiger Geschwindigkeit fertiggestellt wurde, ist nun im Handel erhältlich (Feder-Records).

Die siebenköpfige Bläsertruppe bleibt dabei ihrer Tradition treu, Volksmusik aus Österreich mit den Klängen aus aller Welt zu verbinden, ohne dabei jemals nach bemühtem Weltmusikprojekt zu klingen. Joe Zawinuls „The Harvest“ steht da bruchlos neben dem Goiserer Jodler „‘n Kohler seiner“, der exaltiert-dissonante und verschmitzte „Neurosencowboy“ des Federspiel-Mitglieds Robert Puhr reiht sich da an die Balkannummer „Crnotravka“. Das verbindende Element: Alpin-Brass mit dem Schalk im Nacken.

Auch die Gruppe Scurdia rund um den eigentlich im klassischen Metier sozialisierten Pianisten Markus Schirmer verschmilzt die Kulturen und ihre musikalischen Traditionen zu einem mitreißenden Amalgam. Nun liegt das zweite Album „Globalive“ dieses Projekts vor, das in der Grazer Oper unter Schirmers Ägide außergewöhnliche Musiker aus aller Herren Länder versammelt hatte. Da bietet „Amsterdam“ westeuropäische Liedermacherkunst, während „Scurdia goes Klezmer“ die jüdische Musiktradition mit lamentierender Klarinette aufgreift und „Kire‘s Tune“ arabische Instrumente und US-amerikanischen Jazz versöhnt. Zusätzlich enthält die CD (Lotus Records) als Beilage eine ORF-Dokumentation von Günter Schilhan und Helmut C. Gürtl, die die Gruppe auf eine Konzertreise in den Irak begleitet haben.

Kulturübergreifende Musikexperimente gestalteten sich im 18. Jahrhundert noch anders: Jean-Philippe Rameaus selten gespielte Ballettoper „Les Indes galantes“ zeigt den Triumph der Liebe an „exotischen“ Schauplätzen (Chabott/Harmonia Mundi). Göttin Hebe entsendet Amor in ferne Lände - worauf Episoden im „okzidentalen Indien“ sowie „orientalischen Indien“, also in der damaligen Vorstellung Amerika und Asien folgen. Ein Unwetter in der Türkei, ein Vulkanausbruch in Peru oder ein abschließender Tanz im Amerika der „Wilden“ bilden für die Simphonie du Marais unter Hugo Reyne die Folie, auf denen die Franzosen mit Verve und stets perkussionslastig zu Werke gehen. Die dreiteilige CD-Edition mit aufwendigem Booklet wurde im Vorjahr im Wiener Konzerthaus im Rahmen des Alte-Musik-Festivals „Resonanzen“ aufgenommen - bei der ersten Aufführung der in der Tradition von Jean-Baptiste Lully stehenden Oper in Österreich überhaupt.