Kitzbühel

Alpenschule steuert auf Vollauslastung zu

Die Umstrukturierung bei der Alpenschule in Westendorf trägt Früchte. Mehr Schüler denn je besuchen die Schule und die Bauernhöfe.

Von Harald Angerer

Westendorf –Kindern wieder die Natur näherbringen. Was für viele ältere Menschen selbstverständlich ist, scheint für Kinder heute völlig unvorstellbar. Zum Beispiel, dass Wildkräuter auf jeder Wiese wachsen, wie es auf einem Bauernhof zugeht oder wie Käse entsteht. Davon sind nicht nur Kinder aus der Stadt betroffen, sondern auch zunehmend am Land. Schon vor vielen Jahren hatte deshalb der Westendorfer Josef Ziepl eine touristische Vision. Er und sein Mitstreiter Hans Ludwig wollten Landwirtschaft, Schule und Tourismus verbinden: Das Ergebnis ist die Alpenschule in Westendorf.

Im Jahr 2011 hat Franz Berger die Obmannschaft von Josef Ziepl übernommen und in den vergangenen Jahren wurde die Alpenschule mit viel Fingerspitzengefühl neu aufgestellt. „Mit Birgit Kluibenschädl haben wir auch eine sehr engagierte Geschäftsführerin gefunden“, sagt Berger und berichtet von vielen kleinen Änderungen. So wurde die Schule wesentlich aktiver beworben, ein Internetauftritt geschaffen und die Schule auf Messen präsentiert. Vordringliches Ziel war es laut Berger und Kluibenschädl, die Auslastung der Schule zu steigern.

Schulen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum können das Alpenschule-Programm nutzen, die Schüler werden dabei in den vier Bauernhöfen um die Schule auf 1100 Metern Seehöhe einquartiert. Unterricht ist nur von April bis November möglich, da die Schule nicht beheizt ist. „Noch“, wie Berger betont, die Möglichkeit, die Schule auch im Winter zu nutzen, sei durchaus denkbar für ihn.

Die Auslastung für heuer ist sehr gut, betonen Berger und Kluibenschädl. Im Frühjahr war keine Woche Leerlauf und auch im Herbst sind nur noch wenige Tage frei. Mit einem speziellen Ferienprogramm konnte auch der Sommer belebt werden.

Vor allem die Schulen aus dem Tiroler Unterland nehmen das Angebot sehr gut an, „aber heuer war zum Beispiel auch schon eine Volksschule aus Liechtenstein bei uns“, schildert Kluibenschädl. Das Angebot richtet sich an Kinder von neun bis zwölf Jahren. Neu ins Wochenprogramm aufgenommen wurden verschiedene Werkstätten mit den Themen Holz, Kräuter und alte Zeiten. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Natur „Woipertouringer“ wurde ins Leben gerufen, um schon die Kinder für die Natur zu sensibilisieren. Etwa 500 Schüler werden heuer in die Alpenschule in Westendorf kommen. Sie übernachten in den Bauernhöfen Örgen, Nieding, Rothen und Schwendt, wo sie in der Früh vor dem Frühstück bereits bei der Arbeit der Bauern mithelfen können. Damit bringt die Alpenschule einen touristischen und finanziellen Nutzen für die Bergbauernhöfe am Salvenberg.