Beispiel Frankreich: Künstler in Salzburg warnten vor sozialer Kälte
Salzburg (APA) - Das soziale Klima für Künstler in freien Dienstverhältnissen verschärfe sich zusehends. Davor warnte Ivana Müller, Regisseu...
Salzburg (APA) - Das soziale Klima für Künstler in freien Dienstverhältnissen verschärfe sich zusehends. Davor warnte Ivana Müller, Regisseurin und Choreografin, gestern, Montagabend, nach der Österreichpremiere ihres Stückes „Positions“ bei der Salzburger Sommerszene. Bei einer Diskussionsveranstaltung in der ARGEkultur verwies die in Paris lebende Kroatin auf das Negativbeispiel Frankreich.
„Das einzigartige französische System der ‚Intermittent du spectacle‘ (Sozialversicherungssystem für geringfügig beschäftigte Mitarbeiter der Branchen Tanz, Theater, Film und Fernsehen, Anm.) soll gekippt werden“, berichtete Ivana Müller nach der Vorstellung. „Die französische Regierung hat Reformvorschläge vor wenigen Tagen abgeblockt. Das kann bedeuten, dass die Lage für mehr als 100.000 ‚Kulturarbeiter‘ noch prekärer wird“, argumentierte die Künstlerin. Laut Müller wird zudem eine noch größere Zahl von Menschen anderer Branchen sowie ‚Kulturarbeiter‘ anderer Länder von dieser gesellschaftspolitischen Entwicklung betroffen sein.
Viele Franzosen, die sich durch die angekündigten De-facto-Kürzungen von Versicherungsleistungen benachteiligt fühlen, reagieren mit Streiks. „Die Leute in Frankreich machen ernst und verweigern die Mitarbeit. Das hat zur Folge, dass die Festivals von Uzes, Montpellier, Marseille und einige andere Festivals abgesagt werden mussten. Auch das weltweit renommierte Theaterfestival von Avignon ist bedroht, einzelne Produktionen wurden bereits abgesagt. Sogar die Oper von Lyon hat Premieren verschieben müssen“, sagte Müller.
„Es ist das altbekannte Lied. Aber die Lage spitzt sich zu: Die Reichen werden reicher, die Armen mehr und ärmer. In Frankreichs Kunstszene wird das Sozialgefüge der kapitalistischen Welt verhandelt. Die Frage ist, hat das Volk eine Stimme oder hat es keine Stimme, die gehört wird“, so Müller, für die eine „schmale Grundversorgung“ von Künstlern und allen anderen Nichts-Besitzenden Basis ist für eine funktionierende Gesellschaft.