Energiewende durchkreuzt Kochs Wachstumsplan für Bilfinger
Stuttgart/Berlin (APA/Reuters) - Die Energiewende in Deutschland bringt nach den großen Versorgern auch den Bau- und Dienstleistungskonzern ...
Stuttgart/Berlin (APA/Reuters) - Die Energiewende in Deutschland bringt nach den großen Versorgern auch den Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger in die Bredouille. Vorstandschef Roland Koch kippte in der Nacht zu Dienstag die Prognose für dieses Jahr und schickt damit die Aktien des Mannheimer Unternehmens auf Talfahrt.
Statt deutlich zuzulegen, rechnet der ehemalige hessische Ministerpräsident nun 2014 mit einem Rückgang des bereinigten operativen Gewinns von bis zu zehn Prozent. Koch kündigte zudem an, mit einem weiteren Sparprogramm in der Kraftwerkssparte dagegen zu halten. Das mittelfristige Wachstumsziel, mit dem er 2011 als Konzernlenker angetreten war, stehe auf dem Prüfstand.
Zur Börseneröffnung fiel der Kurs der im MDax notierten Aktie wie ein Stein - die Titel verloren mehr als 16 Prozent an Wert auf 69,50 Euro. „Es war jetzt Zeit für den früheren Politiker Koch, zu liefern - und was ist jetzt los? Eine harsche Warnung“, kritisierte ein Börsianer. Koch treibt den unter seinem Vorgänger Herbert Bodner eingeleiteten Umbau des Konzerns voran. Bilfinger zog sich immer mehr aus dem renditeschwachen, stark konjunkturabhängigen Baugeschäft zurück und wandelte sich zum Ingenieurdienstleister. Mit der Konzeption und Wartung von Kraftwerken und Industrieanlagen erwirtschaftete Bilfinger im vergangenen Jahr 60 Prozent seines Umsatzes von 8,5 Mrd. Euro. Vom Baugeschäft blieb der Hochbau, stärker ausgebaut wird allerdings das Gebäudemanagement.
Der Gewinn war im vergangenen Jahr bei leicht geschrumpftem Umsatz kaum gestiegen. In diesem Jahr rechnet der Konzern nun sogar mit einem Rückgang. Der bereinigte operative Gewinn (Ebita) dürfte zwischen 380 und 400 Mio. Euro liegen und damit unter dem Vorjahreswert von 419 Mio. Euro, wie Bilfinger mitteilte. Auch das Konzernergebnis werde um bis zu 10 Prozent sinken auf 230 bis 245 Mio. Euro. Die Leistung werde bei rund 7,9 Mrd. Euro liegen.
Dem schon länger schleppenden Kraftwerksgeschäft in Deutschland steuerte Koch mit Stellenabbau in der Verwaltung entgegen. Damit sollten die Kosten in diesem Jahr um 40 Mio. Euro sinken. Nun sollen weitere Sparprogramme folgen, die im zweiten Halbjahr allerdings zu einem Aufwand in zweistelliger Millionenhöhe führen.
Der Ausbau des Ökostroms macht etliche Kraftwerke in Deutschland überflüssig und unrentabel. Die Energieversorger hielten sich mit Investitionen zurück, erklärte Bilfinger. Auch auf Nachbarländer wirke sich das aus. So verhindere kostenloser deutscher Windstrom Kraftwerksneubauten in Polen.
Bei seinem Antritt vor drei Jahren hatte sich Koch vorgenommen, den Umsatz auf 11 bis 12 Mrd. Euro und das bereinigte Konzernergebnis auf 400 Mio. Euro zu steigern. Diese Ziele werden bis zum dritten Quartal überprüft, kündigte Bilfinger an.
~ ISIN DE0005909006 WEB http://www.bilfinger.com/ ~ APA224 2014-07-01/11:55
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