Kurs-Flaute verhilft Fondsmanagern zu Comeback
London (APA/Reuters) - Sommerflaute am Aktienmarkt: Seit Wochen geht es für DAX, Dow & Co weder vor noch zurück. In ihrer Not greifen Anlege...
London (APA/Reuters) - Sommerflaute am Aktienmarkt: Seit Wochen geht es für DAX, Dow & Co weder vor noch zurück. In ihrer Not greifen Anleger daher wieder verstärkt zu Fonds, bei denen Menschen über Kauf oder Verkauf von Papieren entscheiden und sich die Rosinen herauspicken. Dafür nehmen sie die vergleichsweise hohen Verwaltungsgebühren in Kauf.
„Wenn man auf der Jagd nach überdurchschnittlicher Kursentwicklung ist, muss man aktiver sein“, betont Didier Duret, der bei ABN Amro Private Banking die Investitionsentscheidungen verantwortet. „Man geht potenziell höhere Risiken ein, erhält aber im Gegenzug die Gewinne, die damit einhergehen.“
Die waren bereits in den vergangenen zwölf Monaten recht ordentlich, wie eine Auswertung von Daten der Thomson-Reuters-Tochter Lipper zeigt: Von 1.600 europäischen Fonds mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 500 Mio. Euro haben 83 Prozent besser abgeschnitten als der breit gefasste europäische Stoxx600-Index, der in diesem Zeitraum 20 Prozent zulegte. Dabei verbuchten die 30 besten Fonds im Schnitt ein Plus von mehr als 40 Prozent.
Dieses Ergebnis erreichten die Experten, in dem sie das Anlagevermögen je nach Bedarf hin und her schoben - zwischen konjunkturabhängigen und weniger von der Konjunktur abhängigen Werten, zwischen „Kern-Europa“ und den Staaten der europäischen Peripherie oder zwischen schwankungsanfälligen Technologietiteln und Konsumgüter-Herstellern.
Der Trend zu aktiv gemanagten Fonds werde sich noch verstärken, schreiben die Analysten von Goldman Sachs in einem Kommentar. Denn die geringen Kursschwankungen der Indizes machten Wetten auf die Tendenz des Gesamtmarktes schwieriger. „Sie sind aber auch die Vorboten neuer Chancen.“ Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie des Vermögensverwalters State Street. Ihr zufolge wird in den kommenden drei Jahren deutlich mehr Geld in aktiv als in passiv gemanagte Aktienfonds fließen.
In den vergangenen Jahren war es umgekehrt: In ihrem Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise pumpten die Notenbanken immer neue Milliarden in den Geldkreislauf und befeuerten damit eine Aktien-Hausse. Zweistellige prozentuale Jahresgewinne der Indizes waren eher die Regel als die Ausnahme. Individuelle Faktoren wie Geschäftszahlen der Unternehmen spielten dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Aus diesem Grund griffen Investoren verstärkt zu ETF. Diese bilden bestimmte Indizes eins zu eins ab. So finden sich in einem ETF auf den Dax die Aktien aller 30 dort gelisteten Werte gemäß ihrer Gewichtung. Steckt nun ein Anleger Geld in einen solchen ETF, kauft der Fonds die Index-Werte in dem entsprechenden Verhältnis nach. Nur wenn ein Unternehmen aus dem Index herausfällt oder neu hinzukommt, ändert sich auch die Zusammensetzung des ETF. Durch den vergleichsweise geringen Verwaltungsaufwand sind die Gebühren für diese Fonds deutlich geringer als für aktiv gemanagte - was Investoren wenig nützt, wenn die Rendite nicht stimmt. Dann verlassen sie sich eben wieder auf das feine Näschen der Fondsmanager.
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