Jüngster EU-Abgeordneter will weniger Europa

Straßburg (APA) - Der jüngste Abgeordnete im neuen Europaparlament möchte sich für ein Ende der weiteren Integration Europas einsetzen. Der ...

Straßburg (APA) - Der jüngste Abgeordnete im neuen Europaparlament möchte sich für ein Ende der weiteren Integration Europas einsetzen. Der 26 Jahre alte Anders Primdahl Vistisen nahm heute, Dienstag, für die rechtspopulistische Dänische Volkspartei seinen Sitz in Straßburg ein. „Es gäbe mehr Unterstützung der Bevölkerung für Europa, wenn wir uns einig wären, uns zu unterscheiden“, sagte er im APA-Gespräch.

Die Dänische Volkspartei wurde bei der Europawahl im Mai erstmals stärkste Partei in ihrer Heimat. Die Partei drängt zu einer harten Einwanderungspolitik und fordert eine Blockade Dänemarks gegen weitere EU-Integration.

Weniger Beachtung fand allerdings die Ankündigung der Rechtspopulisten, aus der EU-Gegner-Fraktion EFD des Briten Nigel Farage auszutreten und sich den Konservativen und Reformisten (ECR) um die britische Regierungspartei von Premier David Cameron anzuschließen. „Wir fragen uns, wie wir den Wahlsieg am besten in tatsächlichen Einfluss eintauschen können, und wir dachten, die ECR sei die bessere Option für uns“, sagte Vistisen. Die ECR ist nun die drittgrößte Fraktion im Europaparlament.

Vistisen möchte im Parlament auf ein Ende der bisherigen EU-Krisenpolitik drängen. „Die Krise ist nicht die gleiche Sache in Dänemark wie in Griechenland, oder etwa Deutschland. Die Krise hat unterschiedliche Ausprägungen, und es gibt unterschiedliche Wege aus ihr raus“, sagte der Parlamentarier. Das gelte etwa für die Sozialsysteme, die schlicht nicht vereinbar miteinander seien. Das Parlament und die EU-Kommission müssten in ihrem Drängen auf mehr EU-Integration Zurückhaltung üben, gleiches gelte aber auch für die großen Fraktionen im Parlament. „Wir sehen uns als die Hauptopposition gegen die regierende Allianz von Konservativen und Sozialdemokraten“, sagte Vistisen.

Eine Zusammenarbeit mit der geplanten Rechtsfraktion „Allianz der Freiheit“ der französischen Front National von Marine Le Pen und der FPÖ lehnt die Dänischen Volkspartei ab. „Die Partei hat eine lange Geschichte der Freundschaft mit Israel, und es gibt einige Parteien der Allianz der Freiheit, die in der Vergangenheit Probleme mit antisemitischen Aussagen hatten. Das war für uns immer ein Ausschluss-Kriterium“, sagte Vistisen. Auch gebe es bei den Rechtsparteien, deren Fraktionsbildung zunächst aus Mangel an Partnern gescheitert ist, wenig, „auf das man bauen könne“.

Sein eigenes Alter hält der dänische Politiker nicht für ein Thema. „Ich glaube nicht, dass es eine große Bedeutung hat, aber es ist natürlich eine lustige Sache, der jüngste Gewählte zu sein. Ich glaube nicht, dass es unnatürlich ist“, sagte Vistisen am ersten Tag seiner Amtszeit. „Jetzt habe ich noch fünf Jahre“, setzte er mit einem Lächeln hinzu.

(Das Interview führte Alexander Fanta/APA)