Deutsche Banker müssen nicht samstags arbeiten

Frankfurt (APA/Reuters) - Deutschlands Banker haben auch künftig in der Regel samstags frei. Mit dem Verzicht auf eine Ausweitung der Samsta...

Frankfurt (APA/Reuters) - Deutschlands Banker haben auch künftig in der Regel samstags frei. Mit dem Verzicht auf eine Ausweitung der Samstagsarbeit für die 210.000 Angestellten der Bankenbranche ebneten die Arbeitgeber den Weg für die unerwartet schnelle Einigung im Tarifstreit mit den Gewerkschaften. In zwei Schritten steigen die Gehälter um 4,5 Prozent, der Tarifvertrag läuft bis April 2016.

Nach knapp acht Stunden Verhandlungen in der dritten Tarifrunde stand der Kompromiss in Wiesbaden, gerade rechtzeitig vor dem Achtelfinal-Spiel der deutschen Fußball-Nationalelf bei der WM in Brasilien. „Wir haben gemerkt, dass ver.di beim Thema Samstagarbeit komplett blockiert, obwohl wir viele Brücken gebaut haben“, sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) am Dienstag. Auch ein letzter Kompromissvorschlag habe nicht gefruchtet.

Für Deutsche-Bank-Personalvorstand Stephan Leithner, der seit diesem Jahr Verhandlungsführer des AGV ist, war es der erste Tarifabschluss. Die Arbeitgeber hatten erst wenige Stunden vor der Einigung ein erstes Angebot vorgelegt. „Im Interesse der Mitarbeiter haben wir uns auf die Gehaltsfrage konzentriert und ein Tarifergebnis erzielt, das der Branchenlage angemessen ist“, erklärte Leithner. Die zusätzliche Belastung, die nun auf die 175 Großbanken, Privatbanken, Landesbanken und Bausparkassen zukommt, bezifferten die Arbeitgeber auf 2,2 Prozent im Jahr.

Die Gewerkschaften feierten den Verzicht auf den Samstag als normalen Arbeitstag für bis zu 15 Prozent der Bankangestellten. „Wir halten das Ergebnis für einen guten Kompromiss“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Bankangestellten-Verbandes (DBV), Stephan Szukalski, der Nachrichtenagentur Reuters. „Dass die Samstagsarbeit bis April 2016 vom Tisch ist, ist für uns ein großer Erfolg.“ Der AGV Banken betonte aber, dass Bankfilialen auch künftig am Samstag öffnen könnten, wenn die Konkurrenz in der Nähe - etwa Sparkassen oder Genossenschaftsbanken - das auch tue. Auch für IT-Arbeiten können Beschäftigte begrenzt samstags herangezogen werden. Im Gegenzug haben die Arbeitnehmer künftig kein Recht mehr, auf eigenen Wunsch in den Vorruhestand zu gehen.

ver.di-Verhandlungsführer Uwe Spitzbarth zeigte sich dennoch zufrieden: „Die Gehälter im Bankgewerbe halten Schritt mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung.“ Die Gewerkschaften hatten nur eine Laufzeit von zwölf Monaten vorgeschlagen, nun lassen sie sich auf eine doppelt so lange ein. Die Beschäftigten erhalten ab sofort 2,4 Prozent mehr und ab Juli 2015 weitere 2,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Im Jänner 2015 kommt eine Einmalzahlung von 150 Euro hinzu. ver.di hatte 3,5 Prozent mehr Gehalt gefordert sowie eine pauschale Erhöhung um 100 Euro pro Monat.

Die meisten deutschen Sparkassen zahlen nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes. Die Raiffeisen- und Volksbanken waren 2006 aus der Tarifgemeinschaft ausgeschert und haben nur noch Tarifverträge mit den kleineren Gewerkschaften DBV und DHV, nicht aber mit ver.di.