In der sizilianischen Landschaft gelandet
Keine Werkschau im üblichen Sinn ist die Personale über die sizilianische Architektin Maria Giuseppina Grasso Cannizzo im Innsbrucker aut.
Von Edith Schlocker
Innsbruck –Als Maria Giuseppina Grasso Cannizzo 2012 bei der Triennale von Mailand die Goldmedaille für ihr architektonisches Lebenswerk erhielt, bezeichnete sie der Kritiker von La Repubblica, Maurizio Bono, als „Anti-Architektur-Star“. Für Arno Ritter, den Leiter des Innsbrucker aut, ist die 62-Jährige dagegen eine Stararchitektin, wenn auch eine, die kaum jemand kennt. Muss man doch nach Sizilien reisen, um ihre Bauten leibhaftig zu sehen.
Um zu begreifen, wie die seit Mitte der 80er Jahre in der kleinen süditalienischen Stadt Vittoria lebende Maria Giuseppina Grasso Cannizzo tickt, genügt allerdings auch ein Besuch des – stimmigerweise von der letzten Ausstellung noch immer schwarz ausgemalten – Innsbrucker aut. Das die Architektin räumlich radikal verwandelt, mit drei riesigen Kesseln aus rohem Stahl bestückt hat. Deren geheimnisvolles Innenleben unmittelbar mit Sizilien zu tun hat, dem spezifischen Geruch nach Erdöl und dem harte Schatten werfenden Licht der Insel, dem Vogelgezwitscher im Haus der Architektin. Drei Parameter, die in ihrem Lavieren zwischen radikaler Härte und Subtilität das Wesentliche der architektonischen Haltung von Maria Giuseppina Grasso Cannizzo spürbar machen.
Über konkrete architektonische Projekte erfährt der aut-Besucher durch ein Buch, das ebenfalls kein übliches ist. Sondern eine schwarze Box mit losen, beidseitig mit Plänen, Zeichnungen, Skizzen, Studien, Fotografien und Texten bedruckten Blättern, die schön den unkonventionellen Entwicklungsprozess der unterschiedlichsten Projekte nachvollziehbar machen. Und zeigen, dass Maria Giuseppina Grasso Cannizzo keinen auf einen ersten Blick typischen Stil hat. Schneidet sie doch jede ihrer Bauten speziell für die jeweilige Landschaft bzw. urbane Situation, die Funktion und den Bauherrn zu. Egal, ob es sich um die Revitalisierung von historischen Bauten, um ein vertikal angelegtes Raumkontinuum oder den wie eine minimalistische Skulptur daherkommenden Kontrollturm der Marina di Ragusa handelt.
Das prozesshafte Arbeiten der Architektin machen filmische Bilder deutlich. Ihr eigenhändiges Basteln an Modellen, ihr Spiel mit Maßstäben und Materialien, ihr Einbeziehen von Bestehendem in Neues, ihr konsequent heutiges Weiterdenken einer in den vergangenen 2000 Jahren von den unterschiedlichsten Traditionen geprägten sizilianischen Kultur. Um, so pedantisch Maria Giuseppina Grasso Cannizzo den Planungsprozess eines Gebäudes auch betreut, dieses nach seiner Fertigstellung dem jeweiligen Benutzer zur sukzessiven Aneignung und auch Veränderung freizugeben.
Auch der fotografischen Interpretation durch Hèléne Binet und Armin Linke. Letzterer hat wunderschöne, großformatige Fotobücher zu ausgewählten Architekturen gestaltet, die spontan Lust darauf machen, diese vor Ort aufzuspüren. Etwa das wie in der archaischen sizilianischen Landschaft gelandete, durch eine Schiene verlängerbare, hölzerne Ferienhaus mit Meerblick. .
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