Deutsche Arbeitsmarkt-Belebung verliert an Fahrt

Nürnberg (APA/Reuters) - Am deutschen Arbeitsmarkt geht es weiter bergauf - wenn auch etwas langsamer. Im Juni sank die Zahl der Arbeitslose...

Nürnberg (APA/Reuters) - Am deutschen Arbeitsmarkt geht es weiter bergauf - wenn auch etwas langsamer. Im Juni sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Mai um 49.000 auf 2,83 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. Der Rückgang fiel damit geringer aus als sonst üblich.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise begründete dies mit dem milden Winter. Die Arbeitslosigkeit sei zu Jahresanfang nicht so kräftig gestiegen wie sonst und gehe deshalb nun auch nicht so stark zurück. „Die gute Konjunktur spiegelt sich auch im Arbeitsmarkt wider“, sagte Weise. Er fügte allerdings hinzu: „Die Erwartungen für das zweite Halbjahr sind etwas verhaltener.“

Dies dürfe man aber nicht als Ernüchterung verstehen, sondern eher als „realistische Einschätzung der Wirtschaftslage“, sagte Weise. Denn die Beschäftigung lege weiter zu, aber nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Insgesamt sei die Nachfrage der Firmen nach Arbeitskräften auf gutem Niveau. Gesucht würden vor allem Verkäufer sowie Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie, in Maschinenbau, Gastgewerbe und Gesundheitssektor.

Rechnet man jahreszeitliche Schwankungen heraus, so stieg die Arbeitslosenzahl im abgelaufenen Monat um 9.000. Banken-Volkswirte hatten hingegen mit einem Minus von 10.000 gerechnet. NordLB-Experte Jens Kramer sagte, diesen zweiten Rückgang in Folge dürfe man wegen des Statistik-Effekts durch den milden Winter nicht überbewerten. Auch BayernLB-Fachmann Stefan Kipar betonte: „Insgesamt präsentiert sich der deutsche Arbeitsmarkt weiter in sehr guter Verfassung.“

Nahezu Vollbeschäftigung gibt es in Bayern und Baden-Württemberg, wo die Arbeitslosenquote bei 3,5 beziehungsweise 3,8 Prozent liegt. Bundesweiter Spitzenreiter ist Eichstätt, wo nur gut ein Prozent der Menschen als arbeitslos registriert sind. Die rote Laterne hält Berlin mit elf Prozent. Deutschlandweit liegt die Quote bei 6,5 Prozent und damit auf dem niedrigsten Wert, den es seit der Wiedervereinigung in einem Juni gegeben hat. „Darum beneiden uns viele unserer europäischen Partnerländer“, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).

In der Eurozone sank die Zahl der Arbeitslosen im Mai zwar den achten Monat in Folge und fiel auf den tiefsten Stand seit September 2012. Nach Angaben von Eurostat waren aber immer noch rund 18,55 Millionen Männer und Frauen offiziell auf Jobsuche. Damit bleibt die Arbeitslosenquote unverändert bei 11,6 Prozent.

Die deutsche Regierung will künftig mehr für Langzeitarbeitslose tun. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte, dass diese Gruppe in den ersten sechs Monaten vom gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ausgenommen werden soll. Da anfangs kein Kündigungsschutz gelte, „droht der Drehtüreffekt durch Hire and Fire: So könnte ein Langzeitarbeitsloser nach einem halben Jahr durch den nächsten ersetzt werden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Die BA legte nahe, dass sich der flächendeckende Mindestlohn eher wenig auf den Arbeitsmarkt auswirken dürfte. Wegen der guten Konjunktur erwartet die Nürnberger Behörde für 2014 kein Defizit. Sie rechnet aber auch nicht mit einem großen Überschuss.