Fußball-WM: Frankreichs Jungstar Pogba scheidet die Geister

Brasilia (APA) - An Paul Pogba scheiden sich die Geister. Frankreichs Jungstar gilt mit seinen 21 Jahren als eines der größten Talente im eu...

Brasilia (APA) - An Paul Pogba scheiden sich die Geister. Frankreichs Jungstar gilt mit seinen 21 Jahren als eines der größten Talente im europäischen Fußball. Der extrovertierte Pogba fällt mitunter aber auch durch Undiszipliniertheiten auf. Didier Deschamps konnte im Rahmen der WM in Brasilien davon bereits ein Lied singen. Im Achtelfinale gegen Nigeria überzeugte Pogba jedoch als Matchwinner.

Der Mittelfeldmann von Juventus Turin sorgte beim 2:0 am Montag per Kopf für die französische Führung. Er wurde als „Man of the Match“ ausgezeichnet. „Für sein Land in so einem wichtigen Spiel ein Tor zu erzielen. Das ist einer der besten Momente meines Lebens“, sagte der in Lagny-sur-Marne als Sohn guineischer Eltern geborene Pogba. Er hält nach 15 Länderspielen nun bei drei Toren - am Freitag gegen Deutschland sollen es im Maracana von Rio mehr werden.

Dabei war Pogbas Einsatz gegen Nigeria sogar unsicher. Nachdem er beim 3:0 gegen Honduras fast Rot gesehen hätte, brachte ihn Deschamps beim 5:2 gegen die Schweiz erst nach einer Stunde. Gegen Ecuador war der defensiv ebenso wie offensiv starke Kicker wieder von Start weg dabei, positiv auf sich aufmerksam machen konnte er beim 0:0 aber nicht. Deschamps sprach ihm trotzdem weiter das Vertrauen aus.

„Ich habe nie an seinen Fähigkeiten gezweifelt. Ich hoffe, er kann seine Qualitäten nun kontinuierlich zeigen“, betonte der Weltmeister von 1998 nach der Partie. Dass Pogba, der demselben Berater wie Zlatan Ibrahimovic und Mario Balotelli vertraut, das Zeug dazu hat, ist unbestritten. Seine Zukunft ist laut einhelliger Meinung der Experten eine rosige.

In Frankreich wurde der U20-Weltmeister im Vorjahr bei der Wahl zum Fußballer des Jahres nur von Bayern-Star Franck Ribery geschlagen. 2013 erhielt er in der von Italiens Sporttageszeitung „Tuttosport“ initiierten Wahl die Auszeichnung als „Golden Boy“ für den besten U21-Spieler Europas. Er wird in seiner Heimat mit Patrick Vieira verglichen, der ebenso wie Deschamps 1998 den WM- und 2000 den EM-Titel für Frankreich holte.

Eine gewisse Überheblichkeit ist Pogba nicht abzustreiten. Manchester United verließ er 2012 im Streit mit Trainer Sir Alex Ferguson. Dieser warf ihm mangelnden Respekt vor, nachdem dem damals 19-Jährigen der Aufstieg in die Start-Elf der Engländer nicht schnell genug gegangen war. Dass Ferguson das Talent damals gehen ließ, bringt dem Schotten nach wie vor Kritik ein.

Bei Juventus etablierte sich Pogba rasch als Teamstütze. In Turin erhielt er aufgrund seiner raumgreifenden Tacklings den Spitznamen „Il Polpo Paul“ (Die Krake Paul). Seine kampfbetonte Spielweise lässt den 1,91 Meter großen Profi aber mitunter am Rande des Ausschlusses wandeln. Auch wird ihm in schwachen Momenten vorgeworfen, sein Potenzial nicht mit letztem Einsatz auszuschöpfen. Für Deschamps stellt sich diese Frage nicht: „Er ist jung. Ich denke, es ist normal dass er kritisiert wird. Das ist das Leben eines Topspielers.“